23.04.2012

IWF: Mit Schutzschirm und Peitsche

Brandmauer aufstockt, Reformen eingefordert

Washington/London (dpa/nd). Europa steht trotz eines zweiten Billionen-Rettungsschirms gegen die Schuldenkrise weiter unter Zugzwang. Die außereuropäischen Industrie- und Schwellenländer mahnten auf der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Wochenende in Washington zusätzliche Schritte gegen die Krise an. Bei Reformen, Schuldenabbau und Konjunkturhilfen dürfe nicht nachgelassen werden, schrieben die Top-Wirtschaftsmächte in die Abschlusserklärung des Treffens. Dagegen sieht Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auch die anderen Länder außerhalb der Euro-Zone in der Pflicht.

Die Rufe nach stärkerer Krisenbekämpfung folgten dem Beschluss der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer G20, den Schutzschirm des IWF für Staaten in Schieflage um mehr als 430 Milliarden Dollar (325 Milliarden Euro) aufzustocken. Damit wird neben dem höheren Schutzwall um die Euro-Länder ein weiterer, weltweiter Rettungsschirm im Umfang von einer Billion US-Dollar aufgespannt. IWF-Chefin Christine Lagarde lobte den Schritt als »extrem wichtig«, da die noch immer gefährliche Eurokrise globale Ansteckungsrisiken berge und die Konjunktur »fragil« mache. Der Schutzschirm könne weitere Anstrengungen in Europa aber nicht ersetzen, mahnte auch der Vorsitzende des IWF-Lenkungsausschusses, Singapurs Finanzminister Tharman Shanmugaratnam.