Von Wolfgang Pomrehn
23.04.2012

Ratlose Klimaingenieure

Diskussion über technische Mittel gegen Treibhauseffekt wurde wenig konkret

Soll die Menschheit versuchen, durch technische Maßnahmen das Klima so zu beeinflussen, dass der Klimawandel abgebremst wird? Diese nicht ganz neue Frage stand vergangene Woche im Mittelpunkt einer Diskussion in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Frustriert von den zögerlichen Maßnamen zur Beschränkung der Treibhausgasemissionen hatte der Chemie-Nobelpreisträger und Atmosphärenchemiker Paul Crutzen 2006 in einem Fachartikel gefordert, Mittel zu entwickeln, mit denen das Klima notfalls gezielt abgekühlt werden kann. Crutzens Beitrag hat in den letzten Jahren eine Reihe von Forschungsvorhaben angestoßen.

Um über Sinn, Nebeneffekte und ethische Implikationen derartiger Maßnahmen zu diskutieren, hatte die Max-Planck-Gesellschaft Mitte vergangener Woche in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften nach Berlin eingeladen. Mit dem Publikum debattierten dort der Geophysiker Hauke Schmidt und der Philosoph Gregor Betz. Ersterer leitet am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg die Arbeitsgruppe Mittlere und Höhere Atmosphäre, Letzterer beschäftigt sich am Karlsruher Institut für Technologie mit ethischen und philosophischen Aspekten der Klimaforschung.

Schmidt machte einführend deutlich, dass zwei wesentliche Arten der gezielten Klimabeeinflussung - in der Fachsprache Geo-Engineering genannt - unterschieden werden. Zum einen gibt es die Ansätze, die der Atmosphäre Treibhausgase entziehen. Meist geht es dabei um Kohlendioxid, das wichtigste Treibhausgas. Das könnte zum Beispiel durch Bäume gebunden werden, deren Holz entweder direkt oder als Holzkohle für viele Jahrhunderte oder gar Jahrtausende so deponiert wird, dass es sich nicht zersetzen und Kohlendioxid freisetzen kann. Problematisch wäre neben den Kosten vor allem der Flächenbedarf.

Zum anderen sind Methoden denkbar, die die Erde ein wenig abschatten würden. Infrage kommt da zum Beispiel der von Paul Crutzen ins Gespräch gebrachte Eintrag von Schwefelteilchen in die Stratosphäre, das heißt in mehr als zehn Kilometern Höhe. Als Vorbild für menschliches Eingreifen gilt der Ausbruch des philippinischen Vulkans Pinatubo im Jahre 1991. Die von ihm in die Stratosphäre geschleuderte Menge an Schwefelpartikeln habe im darauf folgenden Jahr die globale Temperatur um ein halbes Grad Celsius abgesenkt, so Schmidt. Allerdings habe sich der Effekt in den kommenden Jahren verflüchtigt.

Es müsste also ständig Schwefel eingetragen werden, und das über viele Jahrhunderte, denn sobald die Maßnahmen beendet oder unterbrochen würden, käme die Wirkung der Treibhausgase wieder zur Entfaltung. Der unterdrückte Temperaturanstieg würde innerhalb weniger Jahre nachgeholt und der Klimawandel damit noch viel drastischer ausfallen, wie Betz einwendete. Das stritt Schmidt nicht ab, sondern verwies auf ein weiteres Problem: Die Abschattung würde auch nicht die vom Kohlendioxid verursachte Versauerung der Ozeane verhindern. Schmidt hütete sich denn auch, den Eingriffen das Wort zu reden. Die möglichen Folgen und Nebenwirkungen seien noch nicht erforscht.

Auch das Publikum war recht skeptisch, wie die Fragen zeigten. Schmidt und Betz waren sich letztlich einig, dass das Geo-Engineering nicht pauschal abgelehnt werden sollte. Eine differenziertere Beurteilung sei notwendig, doch leider wurden sie an dieser Stelle nicht mehr konkret.