Jirka Grahl, Potsdam
23.04.2012

Kein Wunder für Turbine

Potsdamerinnen scheitern in der Champions League

Wie stellt man es an, in 90 Minuten einen 1:5-Rückstand wett zu machen? Die Frauen des 1. FFC Turbine Potsdam versuchten sich gestern Nachmittag an dieser Aufgabe - und scheiterten, erwartungsgemäß. 0:0 - mehr gelang nicht im Rückspiel gegen die derzeit stärkste Frauenvereinsmannschaft der Welt, Olympique Lyon.

Weil dieser Rückstand auch noch im Halbfinale der »UEFA Women's Champions League« auszugleichen war, hatten außer den 3870 Zuschauern auch Japans Weltmeistertrainer Norio Sasaki und DFB-Frauen-Direktorin Steffi Jones auf den engen Stuhlreihen des Karl-Liebknecht-Stadions in Potsdam-Babelsberg Platz genommen. Frauenfußball auf Höchstniveau wurde erwartet.

Vier Tore Rückstand - wer nach einem 1:5 ernsthaft versucht, eine Aufholjagd zu starten, muss schnell treffen. Auf dem neuen Rasen, der nach Aufforderung der UEFA in Potsdam verlegt wurde, begannen die Gastgeberinnen stürmisch - nach einer Schrecksekunde direkt nach dem Anpfiff, als die überragende französische Nationalspielerin Elodie Thomis allein vor dem Turbine-Tor auftauchte und der Ball schließlich links über die Latte strich.

Immer wieder drangen Turbines Angreiferinnen Yuki Nagasato und Isabell Kerschowski in den Strafraum der Französinnen ein, konnten aber die gute Torfrau Sarah Bouhaddi nicht bezwingen. Nach 25 Minuten ging den Potsdamerinnen etwas die Luft aus, nix da mit dem schnellen ersten Tor.

Turbine beherrschte zwar weiterhin mit Patricia Hanebeck, Viola Odebrecht und Jennifer Zietz das Mittelfeld, die Abwehr setzte die schwedische Weltklassestürmerin Lotta Schelin weitgehend außer Gefecht. Die Titelverteidigerinnen blieben aber stets gefährlich, ihre Schussversuche allerdings fing Potsdams Torfrau Alyssa Näher allesamt ab.

Nach dem Seitenwechsel brachte Trainer Bernd Schröder mit Genoveva Anonma eine dritte Stürmerin, Potsdam rannte weiter unverdrossen gen gegnerisches Tor. Isabell Kerschowski setzte in der 54. Minute einen Freistoß an die Latte, sechs Minuten später geriet Potsdam auch noch in Überzahl, denn Elodie Thomas sah nach einem Foulspiel Gelb-Rot. Zählbares kam dennoch nicht zustande: Eine Großchance von Hanebeck klärte Lyons Sonia Bompastor auf der Linie (75. Minute), Yuki Nagasato traf kurz darauf nur die Latte (82.).

Nach dem Abpfiff feierten die Französinnen, die im Endspiel auf den 1. FFC Frankfurt treffen, der Arsenal London 2:0 geschlagen hatte (Hin: 2:1). »Es war das erwartet schwere Spiel«, sagte Lyons Lotta Schelin später. »Wir wollten aus einer sicheren Abwehr zu Kontern kommen. Potsdam hat gut gekämpft. Nun sind wir glücklich, wieder im Finale zu stehen.«

In der jungen Champions-League-Geschichte der Frauen (seit 2009) ist es das erste Finale, in dem Potsdam nicht mitspielt.

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