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24.04.2012

Nobelpreisträger soll vom Kaßberg weichen

Chemnitzer Schule soll den Namen Pablo Nerudas verlieren / Stadtrat entscheidet morgen

Eine Chemnitzer Schule soll, so wollen es ihre Gremien, nicht mehr nach dem Dichter Pablo Neruda heißen. Es gibt starken Protest. Ob der Stadtrat morgen zustimmt, ist völlig offen.
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Anderswo ist der Dichter und Schriftsteller im Alltag präsent, wie dieses Wandbild im nordchilenischen Coquimbo zeigt

Fast klingt die Gedichtzeile wie ein Rätsel für Kinder: »Du machst uns weinen, ohne uns zu betrüben.« Es ist die Zwiebel, die Pablo Neruda in einer anrührenden Ode besang und als »rundliche Rose von Wasser auf dem Tisch der armen Leute« pries. Auch Katzen, Kartoffeln oder Fahrrädern widmete der chilenische Nobelpreisträger Oden – und selbst der Luft. »Gib acht!, dass sie dich nicht zu Tabletten verarbeiten«, wird diese gemahnt – sie würde sonst noch verkauft.

Luft als Tablette, Zwiebeln im Rätsel – Nerudas Lyrik würde Kindern Spaß machen. In der Schule auf dem Kaßberg in Chemnitz, die den Namen des Dichters trägt, kennt man die Oden indes wohl nicht. So kam die Schulkonferenz im November zum Schluss, Nerudas Texte »mit meist politischem Inhalt« wendeten sich hauptsächlich an Erwachsene. Das Gremium beantragte deshalb, den Namen durch »Grundschule Kaßberg« ersetzen zu dürfen. Morgen soll der Stadtrat entscheiden.

Die Absicht ist nicht neu: Schon 2002 und 2003 gab es Vorstöße. Im Stadtrat galt die Ablehnung damals aber als sicher. Derzeit wird die Schule, die 1973 eingeweiht wurde, renoviert. Sie soll im Sommer 2012 wieder bezogen werden – mit neuem Namen. Zwar hat sich die Schule selbst das Motto »Einander begegnen – einander verstehen« gegeben und setzt ihre Akzente im sprachlichen und musischen Bereich. Vom Namen Nerudas indes will man sich trennen. Eine Nachfrage des »nd« zu Gründen blieb unbeantwortet.

Die schriftlich mit dem Beschluss der Schulkonferenz gelieferte Begründung strotzt freilich von Unwissenheit und Fehlern. So wird behauptet, Neruda sei »in der damaligen DDR bekannt gemacht« worden »durch sein Engagement als Schriftsteller gegen die Militärdiktatur in Chile«. Der Verein »Amistad«, in dem Lateinamerikaner und Deutsche in Chemnitz mitarbeiten, merkt aber an, Neruda habe den Nobelpreis zwei Jahre vor dem Putsch vom September 1973 erhalten – und sei zwölf Tage nach diesem an Krebs gestorben. Für »bedauerlich« hält der Verein die Behauptung, die Schüler hätten »keinen altersmäßigen Bezug« zu Neruda, der Sohn einer Volksschullehrerin und Student an einem pädagogischen Institut war.

Der Verein »Amistad« ist nicht der einzige, der zu einer Revision der Entscheidung mahnt. In einem offenen Brief an die Stadträte betonen namhafte Chemnitzer Kulturschaffende, eine Schule mit Nerudas Namen sei »eine Bereicherung für unsere kulturell vielfältige Stadt«; und die Entdeckung seiner Werke sei »eine unerwartet spannende Reise«, auf die auch Kinder gehen könnten. Den im Internet veröffentlichten Brief haben mittlerweile 346 Unterstützer aus der Bundesrepublik und dem Ausland unterschrieben. Mitinitiatorin Sabine Kühnrich betont, der Stadt sei »Provinzialität fremd«. Man müsse, fügt die Sängerin hinzu, daher einen »kulturellen Tiefschlag« verhindern, der mit der Tilgung des Namens eines Nobelpreisträgers verbunden wäre.

Wie der Stadtrat auf diese Forderungen reagiert, gilt als offen. Der Schulausschuss, der vergangene Woche bereits über den Antrag beriet, lehnte diesen mit der Mehrheit von LINKE, Grünen und SPD ab. Allerdings sind die Mehrheitsverhältnisse im Rat nicht eindeutig. Die LINKE will morgen darauf drängen, über die Angelegenheit überhaupt nicht abzustimmen und den Antrag von der Tagesordnung zu nehmen. Sollte der Stadtrat freilich zustimmen, hätte das Kultusministerium in Dresden das allerletzte Wort.

Bleibt der Schule indes der Name erhalten, müsste sie doch nach Möglichkeiten suchen, den Dichter ihren Schülern nahe zu bringen. Helfen könnte ein Spiel mit dem Titel »Encuentro con Neruda«, das im Internet zu bestellen ist. Es listet auf dreisprachigen Kärtchen 100 der phantasievoll-naiven Fragen des Dichters auf, die Nerudas Witwe in einem »Buch der Fragen« zusammengetragen hat – und zu denen Schüler in Chile schon viele Antworten sammelten. Geeignet ist es auch für Erwachsene. »Der Mensch, der nicht spielt«, schrieb Pablo Neruda schließlich, »hat für immer das Kind verloren, das in ihm lebte und das ihm sehr fehlen wird.«

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