24.04.2012

Gysi hofft auf ausgewogene Parteiführung

Bisky unterstützt Bartsch

Berlin (nd-Kalbe). Gregor Gysi hofft auf eine »kooperative Führung« der Linkspartei. Zwar lege die Satzung der Partei nichts zur Zusammensetzung der Parteispitze fest, außer dass es eine Doppelspitze mit mindestens einer Frau geben müsse, so der Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Bundestag am Montag in Berlin. Jedoch hoffe er, dass der Parteitag Anfang Juni in Göttingen eine Führung wählen werde, in der neben Strömungszusammenhängen auch die Ausgewogenheit von Ost und West berücksichtigt sei. Es sei wichtig, dass die »unterschiedlichen Ausrichtungen in der Führung zusammenfinden«, so Gysi. Das setzt allerdings ein Wahlverhalten der Delegierten voraus, das die jeweils andere Strömung zu ihrem Recht kommen lässt.

Zu den Spekulationen über die personelle Zusammensetzung der neuen Führung äußerte sich Gysi nicht. Auch ihm wäre es lieber, wenn potenzielle Mitglieder ihre Kandidatur inzwischen mitgeteilt hätten, so Gysi. »Aber wenn sich Kandidaten nicht erklären, kann ich's nicht ändern.« Bisher hat nur der stellvertretende Fraktionschef Dietmar Bartsch angekündigt, als Vorsitzender zu kandidieren. Am Wochenende erhielt Bartsch vom langjährigen PDS- und LINKE-Vorsitzenden Lothar Bisky Rückendeckung. Er unterstütze den früheren Geschäftsführer »ausdrücklich und werbe offen« für dessen Kandidatur, zitiert der Blog »Lafontaines Linke« den einstigen Gründungsvorsitzenden. Bisky, der kürzlich als Chef der Linksfraktion im Europaparlament zurückgetreten war, trat bei der Gelegenheit der innerparteilichen Strömung Forum Demokratischer Sozialismus bei.

Als entscheidend für das Bild der künftigen Parteiführung gilt allgemein die Entscheidung von Oskar Lafontaine über seine künftige Rolle. Am Montag wurde dieser zunächst von seiner Fraktion im saarländischen Landtag zum Vorsitzenden gewählt. Die LINKE war bei der Landtagswahl am 25. März drittstärkste Kraft geworden. Nachdem sie mit dem Übertritt der Abgeordneten Pia Döring zur SPD nur noch über acht Sitze verfügt, forderte sie die Landeswahlleiterin inzwischen auf, eine Listennachfolgerin zu berufen. Anderenfalls will die Partei wegen Betrugs rechtlich gegen Döring vorgehen.

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