24.04.2012

Ein Block reicht

Trainer Mark Lebedew analysiert Berlins ersten Volleyballmeistertitel nach acht Jahren

Die Berlin Volleys sind nach sieben Jahren Friedrichshafener Vorherrschaft deutscher Volleyballmeister. In einem dramatischen Finale gewannen sie in Haching 3:2. Nach einer durchfeierten Nacht sprach Trainer MARK LEBEDEW über die entscheidenden Punkte, die letzte Auszeit und eine neue Serie mit OLIVER HÄNDLER.

nd: Herr Lebedew, herzlichen Glückwunsch! Haben Sie überhaupt geschlafen nach dem Rückflug noch in der Nacht und der ersten Meisterparty in Berlin?
Lebedew: Ein wenig schon. Ich war um vier Uhr morgens zu Hause. Dabei war ich aber einer der ersten, die aus dem Restaurant gegangen waren. Ein paar Gläser habe ich genossen, aber mir geht's gut.

Ihre Mannschaft sah aus wie der sichere Verlierer, als sie zwei Matchbälle abwehren musste. Haben Sie eine solche Dramatik mit der Wende in den letzten vier Punkten schon mal erlebt?
Ein paar Mal schon, als Trainer und auch als Spieler. Aber in dieser Situation - letzter Satz des letzten Matches des Meisterschaftsfinals - war das noch mal etwas völlig anderes.

Beim Stand von 13:14 gab es vor dem zweiten Matchball für Haching noch eine Auszeit. Was sagten Sie Scott Touzinsky, der danach Hachings Hauptangreifer Christian Dünnes im wichtigsten Moment blocken konnte?
Zunächst hatte ich Glück, dass Hachings Coach die Auszeit nahm, ich hatte ja keine mehr. So konnte ich allen noch mal ins Gewissen reden, dass sie auch in dieser schwierigen Situation vor allem auf gute Technik achten sollten. Scott hatte die ganze Finalserie hindurch Probleme mit Dünnes, aber ich habe ihm gesagt: »Das ist alles egal, Du musst ihn nur ein einziges Mal blocken!«

Es ist nach 14 Jahren Trainerkarriere Ihr erster Titel. Hatten Sie vor der Saison das Gefühl: Das wird mein Jahr?
Zu Saisonbeginn hatten wir uns mindestens einen Titel vorgenommen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mittendrin auch mal meine Zweifel hatte.

Vor allem in den Playoffs, als sich ein Spieler nach dem anderen verletzte?
In dieser Phase habe ich meine Meinung eigentlich nicht mehr geändert. Egal was passierte, ich dachte vor dem Halbfinale immer, dass wir Friedrichshafen schlagen konnten. Es dauerte nur bis zum zweiten Spiel dieser Serie, dass auch meine Spieler daran glaubten. Danach waren sie aber nicht mehr zu stoppen. Jeder von ihnen hatte wichtige Momente. Es war nie besonders entscheidend, wer gerade auf dem Feld stand. Es ging nur darum, wie die Mannschaft zusammenspielte. Da waren am Ende keine Unterschiede mehr erkennbar.

Vor diesem Titelgewinn war der VfB Friedrichshafen siebenmal in Folge deutscher Meister. Beginnt nun eine ähnliche Serie der Berlin Volleys?
Das einzige, was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass wir einmal gewonnen haben. Nicht einmal die kommende Saison kann man im April schon prognostizieren. Friedrichshafen ist sicher sehr unzufrieden mit der aktuellen Situation und wird sich verstärken. Genauso wie Haching, die mit ein bisschen Glück sogar das Double hätten schaffen können, nun aber gar nichts gewonnen haben. Auch wir werden alles geben, um die Meisterschaft im nächsten Jahr wieder zu holen. Immerhin können meine Spieler jetzt mit dem größeren Selbstvertrauen des Meisters an die Sache herangehen. Man hat ja in den vergangenen Jahren an Friedrichshafen gesehen, wie viel das ausmacht.

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