27.04.2012

Bayern stürmen ins Finale nach München

Nach dem Sieg über Real Madrid sagt Kapitän Lahm: »Natürlich wollen wir jetzt den Titel«

Als Bastian Schweinsteiger um exakt 23.12 Uhr den entscheidenden Elfmeter verwandelte, wurde aus der »Hölle Bernabéu« für Bayern München der siebte Himmel. Die Spieler tanzten losgelöst über den Rasen und erdrückten ihren Helden Manuel Neuer vor Freude fast. Auf der VIP-Tribüne platzte Uli Hoeneß, der zuvor einem Herzinfarkt nahe schien, fast vor Stolz und umarmte so ziemlich jeden, der ihm gerade über den Weg lief.

Das 3:1 im Elfmeterschießen (1:2 n.V.) bei Real Madrid ließ den Traum vom »Finale dahoam« am 19. Mai gegen den FC Chelsea wahr werden, war die Münchner Glückseligkeit perfekt. Spieler und Verantwortliche des deutschen Fußballrekordmeisters ergingen sich nach dem Triumph über die »Königlichen« in Superlativen, die sich zwischen »magisch«, »fantastisch«, »herausragend« und »historisch« bewegten.

»Der FC Bayern gehört eindeutig zu den Großen der Welt«, betonte Hoeneß nach dem »Nervenkrieg« von Madrid und bedankte sich übervoll mit »purer Freude« bei denen, die den seit zwei Jahren währenden Traum des Klubs und vor allem seines Präsidenten vom Finale in der eigenen Arena wahr gemacht hatten. »Man kann der Mannschaft und dem Trainer nicht genug danken, dass sie diesem unglaublichen Druck standgehalten haben«, sagte Hoeneß.

Auch Bundestrainer Joachim Löw konnte sich der Faszination des Duells, das für die Bayern mit zwei frühen Gegentoren durch Superstar Cristiano Ronaldo (6./Handelfmeter und 14.) katastrophal begonnen hatte, nicht entziehen. »Das war außergewöhnlich und ein tolles Erlebnis. Die Bayern haben eindrucksvoll bestätigt, dass sie zu den besten Teams in Europa zählen«, sagte er.

Es war in der Tat eindrucksvoll, wie sich die Münchner vom Rückstand, aber auch von der hitzigen Atmosphäre im Bernabéu nicht beirren ließen. Belohnung war das 1:2 durch einen von Arjen Robben verwandelten Foulelfmeter (27.).

Auch Real-Trainer Jose Mourinho kam hinterher in die Bayern-Kabine und gratulierte, was Sportdirektor Christian Nerlinger als »große Geste« einstufte und Trainer Jupp Heynckes, der 1998 mit Real schon einmal die Champions League gewonnen hat, »mächtig stolz« machte: »Wir haben gezeigt, dass wir eine große Mannschaft haben.«

Mit einem großen Torhüter. Neuer hielt die Schüsse von Ronaldo und Kaká und ebnete den Bayern im an Dramatik kaum zu überbietenden Elfmeterschießen den Weg ins Endspiel. Der Nationalkeeper, zu Beginn der Saison noch von einigen Fans angefeindet, ist endgültig in München angekommen - schon am Einzug ins DFB-Pokalfinale am 12. Mai in Berlin gegen Meister Borussia Dortmund war er maßgeblich beteiligt gewesen war.

»Ich hoffe, dass jetzt der Letzte begriffen hat, warum wir Manuel Neuer geholt haben«, betonte Hoeneß. »Er war der Fels in der Brandung«, ergänzte Nerlinger. Neuer wehrte die ganzen Lobeshymnen, die von »außergewöhnlich« (Löw), über »wahnsinnig« (Franck Ribéry) bis zu »Weltklasse« (Lahm) reichten, aber bescheiden ab. »Wir sind alle Helden«, sagte der 26-Jährige.

Es gab aber auch drei traurige Helden. David Alaba, Holger Badstuber und Luiz Gustavo handelten sich jeweils die dritte Gelbe Karte ein und sind im Finale gesperrt. Er hege »große Trauer und Mitleid«, meinte Rummenigge. Hoeneß sprach von »einer Katastrophe für die Jungs«. Das werde »sehr bitter, beim Finale in München auf der Tribüne zu sitzen«, sagte ein um Fassung bemühter Badstuber.

Der Münchner Abwehrchef verpasst immerhin ein Spiel, das Hoeneß mit dem WM-Finale von 1974 in München verglich: »Das wird ein einmaliges Highlight.« Den Heimvorteil wollen die Bayern, zuletzt 2001 die Fußball-Könige Europas, aber nicht überbewerten. »Wir gehen mit großem Schwung und Elan ins Finale, aber das wird kein Selbstläufer. Wir dürfen nicht den Fehler machen und schon jetzt den Sieg feiern«, rief Rummenigge den Spielern zu.

Für Hoeneß ist es trotz der erneut verpassten Meisterschaft »schon jetzt eine überragende Saison« geworden - mit einer Einschränkung allerdings: »Jetzt brauchst du auch einen Titel, um das rund zu machen.« An den DFB-Pokal dürfte er dabei vielleicht weniger gedacht haben, eher schon an die Trophäe mit den großen Henkeln - wie Kapitän Lahm: »Natürlich wollen wir jetzt auch den Titel«, sagte er.