Sparen führt zu Dachschaden
DGB startet Kampagne für sächsisches Vergabegesetz
Damit sich das ändert, soll auch Sachsen ein Vergabegesetz erhalten, das Mindeststandards im sozialen und ökologischen Bereich vorgibt. Dazu gehörten auch Tariflöhne, betont DGB-Chefin Iris Kloppich: Die Zeit, da niedrige Löhne als Standortvorteil für Sachsen galten, müsse vorbei sein. Ziel der Kampagne sei es, im Land eine Debatte über den »Wert der Arbeit« anzustoßen.
Derzeit gehört Sachsen zu nur noch vier Bundesländern, in denen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge keine Tariftreue-Erklärungen bestehen oder deren Einführung geplant ist. Nach dem so genannten »Rüffert«-Urteil des Europäischen Gerichtshofes im Jahr 2008 hatten fast alle Länder solche Erklärungen abgeschafft. Zuletzt sei aber eine »Renaissance der Tariftreue« zu verzeichnen, heißt es beim gewerkschaftsnahen ISW-Institut. In acht Ländern, etwa dem CDU-geführten Thüringen, gibt es Tariftreue-Regelungen, weitere vier, darunter Sachsen-Anhalt, bereiten eine Einführung vor. Das 2002 beschlossene sächsische Vergabegesetz enthält keine solche Klausel.
Mit einer schnellen Einsicht bei der schwarz-gelben Koalition rechnet der DGB offenbar nicht: Die Kampagne ist auf zwei Jahre angelegt und läuft bis in den Landtagswahlkampf 2014. Geplant seien Aktionen auf der Straße und in Betrieben, Plakate und Anzeigen. SPD und LINKE im Landtag planen flankierend einen gemeinsamen Vorstoß für ein neues Vergabegesetz. In Dresden wird ein Jahr lang eine Straßenbahn das Kampagnenmotiv tragen. Geeignet wäre indes auch ein Waggon einer in Ostsachsen aktiven Privatbahn gewesen. Diese beschäftigt laut Bahngewerkschaft Zugbegleiter zum Tarif für Gebäudereiniger. Das ist billiger.
