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28.04.2012

Bücher und Books

Kommentar von Hans-Dieter Schütt

Gelesene Bücher schlägt man zu. Nun geht Furcht um, E-Books könnten zuschlagen, und der gute alte Schmöker zappele todgeweiht im Netz. Literatur und Papier - wohl bald schon eine zerknüllte Liebe! Aber die Stiftung Lesen und der Bibliotheksverband teilen mit, dass heute genauso viele Menschen eine Stadt- und Gemeindebibliothek nutzen wie vor 15 Jahren. Auch junge Leute.

Natürlich ändert sich alles, stirbt. Wer liest noch Paul Heyse (den ersten deutschen Nobelpreisträger), wer mag einst noch Fontane lesen? Wer Römern weisgesagt hätte, Latein könne eines Tages eine tote Sprache sein, wäre nach Beendigung seines Satzes ein toter Mann gewesen - wegen landesverräterischer Hetze. Also: Wir müssen uns unentwegt ins Neue fügen. Aber: Unser Gemüt ist ein Partisan. Den fängt kein Trend so schnell ab. Der Verstand ist ein Beschleunigungs-, unsere Seele ein Verzögerungsorgan. Es gibt Betätigungsfelder, auf denen Eile, Effizienz den Genuss dieser Tätigkeit nur abtöten. Ein Buch heraussuchen, es riechen, nach Hause tragen, eine Sorgfalt aufbringen, die im nächsten Benutzer einen unbekannten Gleichgesinnten sieht - das sind rituelle Kleintaten, darin mehr Leser als gedacht eine kulturelle Selbst-Bestätigung sehen. Auch wenn E-Books längst andere Seiten aufziehen.

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