Von Matthias Koch, Gelsenkirchen
30.04.2012

Nur Nebendarsteller

0:4 auf Schalke: Hertha BSC kann trotzdem weiter hoffen

Wenn Hertha BSC in Gelsenkirchen abgestiegen wäre, hätte es von den Fans von Schalke 04 unter den 61 673 Zuschauern in der Veltins-Arena niemand gemerkt. Nach dem glatten 4:0 gegen erschreckend schwache Berliner gab es angesichts der feststehenden Qualifikation für die Champions League und den Abschiedsfeierlichkeiten für Weltstar Raul keinen Seitenblick für die wie geprügelte Hunde vom Feld schleichenden Berliner.

Hertha-Trainer Otto Rehhagel, der wie alle Berliner schnell zum Flughafen nach Düsseldorf wollte, wartete im Presseraum vergebens auf Huub Stevens. Der Schalke-Coach sah sich im Innenraum auch viel lieber die Ehrenrunden von Raul mit seinen Kindern nach dessen letztem Heimspiel für die Königsblauen an. Während Raul Tränen vergoss, sinnierte Rehhagel über die unverhoffte Chance von Hertha BSC, doch noch am letzten Spieltag den Relegationsplatz erreichen zu können. »Es war ganz eindeutig zu sehen, warum Schalke in der Champions League spielt - und wir gegen den Abstieg«, meinte Rehhagel. »Aber der Fußballgott wollte, dass wir noch eine Chance bekommen.«

Dafür taten die Hauptstädter freilich selbst herzlich wenig. Während Schalke durch Klaas Jan Huntelaar (32., 88.), Lewis Holtby (73.) und Raul (84.) einen standesgemäßen Sieg herausspielte, war von Aufbäumen des arg abstiegsbedrohten Hauptstadtklubs nichts zu spüren. Torchancen der Gäste? Die gab es nicht. Nur durch die zeitgleiche 1:4-Pleite des 1. FC Köln in Freiburg, der mit einem Sieg seine Teilnahme an der Relegation hätte klar machen können, ist Hertha BSC im Rennen um den Klassenerhalt geblieben.

Nach dem Abpfiff flüchteten viele Herthaner schnell in die Kabine. Andere wie Raffael, Nikita Rukavytsya und Änis Ben-Hatira saßen regungslos, beinahe schon verzweifelt auf der Ersatzbank. Sie verhielten während des Spiels und nach dem Abpfiff ängstlich und verunsichert. »Nach dem 2:0 war uns Schalke in allen Belangen überlegen. Wir haben zu viele Spieler, die keine Körpersprache besitzen«, sagte Rehhagel. Sie sind viel zu still und können sich nicht artikulieren.«

Das merkte man auch in der Zone, in der sich die Spieler nach dem Abpfiff mit Journalisten treffen, um ihre Meinung zu sagen. Bei Hertha sah das so aus. Mittelfeldspieler Patrick Ebert, der diesmal nach der Pause als rechter Verteidiger für den verletzten Christian Lell aushelfen musste: »Fragen Sie das Trainerteam.« Defensivmann Andreas Ottl, der 90 Minuten auf der Bank saß: »Fragt die Protagonisten!« Stürmer Adrian Ramos sagte immerhin etwas: »Schade.« Abwehrmann Felix Bastians: »Da kommen noch welche.« Stürmer Tunay Torun: »Ich habe nichts zu sagen.«

Man kann nur hoffen, dass die Berliner am kommenden Sonnabend gegen die von Ex-Trainer Markus Babbel betreuten Hoffenheimer auf dem Platz bessere Argumente haben.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken