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Von Antje Rößler
30.04.2012

Schnittlauch fühlt sich ausgebeutet

Zwei Offenbach-Einakter an der Hochschule für Musik

Dass man Menschen so einfallsreich als Lebensmittel verkleiden kann! Der Muffin trägt eine Papiermanschette und rote Zuckerkügelchen auf dem Kopf; weiße Daunendecken umhüllen den fleischgewordenen Teebeutel. In Offenbachs Operette »Mesdames de la Halle«, die in einer Markhalle spielt, erweckt Regisseur Michael Höppner die Ware zum Leben. Die originellen Kostüme stammen von Hanne Loosen.

Die Inszenierung gehört zu einem Offenbach-Doppelpack, das am Samstag in der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« am Gendarmenmarkt Premiere hatte. Neben »Mesdames de la Halle« ging Offenbachs chinesische Fantasie-Komödie »Ba-ta-clan« über die Bühne. Beide Operetten-Einakter führte der Komponist in den 1850er Jahren in seinem eigenen Pariser Theater auf.

Die Musik von Jacques Offenbachs gehört zu den größeren Herausforderungen, die man dem studentischen Nachwuchs zumuten kann. Sie ist technisch äußerst anspruchsvoll und soll doch zugleich jederzeit luftig beschwingt und charmant klingen. Um diese Aufgabe zu meistern, hat die Hochschule den Offenbach-Experten Jean-Christophe Keck, der etliche Werkausgaben des französischen Komponisten herausgegeben hat, als Gastprofessor berufen.

Mit Keck am Dirigierpult entwickelt sich der Abend in musikalischer Hinsicht rundherum erfreulich. Das hochschuleigene Orchester erzeugt wirbelnde Ausgelassenheit und rhythmischen Drive. Die Gesangspartien, die gleichermaßen stimmliche Ausdauer und Geschmeidigkeit erfordern, sind durchweg souverän besetzt. Bettina Gfeller hinterlässt als Schinken mit ihrer apart eingedunkelten Stimme nachhaltigen Eindruck. In »Ba-ta-clan« überzeugt Jakob Ahles als Ko-ko-ri-ko mit seinem kraftvollen Bass.

Kopfzerbrechen bereiten jedoch die Inszenierungen der Musiktheaterregie-Studenten. Zugegeben, Michael Höppners Einfall, in »Mesdames de la Halle« die Lebensmittel zu vermenschlichen, ist eine ebenso originelle wie tragfähige Idee. Sie erlaubt es, gesellschaftskritische Spitzen einzubauen, die auf jenes Verhältnis zielen, dass Marx als Fetischcharakter der Ware diagnostiziert hat. Jedoch überspannt Höppner diesen Bogen, indem er die Operette mit allzu tiefsinnigen Dialogen beschwert, die eher eines Brecht-Theaterstücks würdig wären: Schnittlauch fühlt sich »irgendwie ausgebeutet«; der Muffin lässt einen Stoßseufzer ab, es müsse doch »mehr geben als diese verfluchte Markwirtschaft.« Heiteres und Bitterernstes prallen in dieser Inszenierung aufeinander, anstatt sich, wie es der Komponist nahe legt, gegenseitig zu durchdringen.

In der China-Komödie »Ba-ta-clan« vermag Regisseurin Eva-Maria Weiss die sinnlos-verwirrende Handlung nicht so recht zu bändigen. Hier geht es um vier französische Geschäftsleute, die sich als Chinesen ausgeben. Auch in dieser Inszenierung laufen Klamauk und Ernst - hier im Umfeld einer technokratischen Überwachungsdiktatur - unvermittelt nebeneinander her.

30.4.. 19 Uhr, 3., 4., 7.5., 19 Uhr, 6.5., 16 Uhr, Studiosaal Charlottenstraße 55

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