03.05.2012
Fragwürdig

Arbeitslos und glücklich?

Tobias »Tube« Herre, Schriftsteller, gehört der »Liga für Kampf und Freizeit« an

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nd: Gestern war »Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen«. Wogegen oder wofür demonstrieren Sie?
Herre: Gegen den Zwang zur Lohnarbeit und für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es nicht mehr möglich ist, für alle Arbeitsplätze zu schaffen. Dennoch verkünden Politiker das als große Forderung. Der Fortschritt wird bei uns häufig daran gemessen, wie viel Arbeitsplätze geschaffen wurden. Dabei sollten wir ihn daran messen, wie viel Arbeitsplätze wir beseitigt haben durch Technik, Automatisierung, Modernisierung.

Derzeit gibt es offiziell fast drei Millionen Arbeitslose in Deutschland. Wie erklären Sie sich, dass die Teilnahme an Ihrer Demonstration bisher nicht so groß ist?
Auch Arbeitslose haben ja viel zu tun und nicht unbedingt Zeit, zu unserer Demonstration zu gehen. Es erscheinen da auch nicht nur Arbeitslose, sondern auch Leute, die Arbeit haben. Die müssen sich dann natürlich einen Urlaubstag nehmen. Und: Jeder, der Arbeit hat, kann ja arbeitslos werden.

Wodurch unterscheidet sich Ihr Anliegen von dem derer, die am 1. Mai demonstrieren?
Die 1.Mai-Demonstranten tun das für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze, aus guten Gründen, mit Recht. Wir meinen, dass es nicht notwendig ist, Arbeitsplätze zu erhalten.

Was ist beglückend an der Arbeitslosigkeit ?
Beglückend ist derzeit in der Tat nichts, weil man sich am Rande des Existenzminimus über die Runden bringen muss. Beglückend wäre es, wenn man als Arbeitsloser ausreichend Geld hätte, um ein würdevolles Leben zu führen. Nach einer solchen Form der Arbeitslosigkeit streben ja eigentlich alle Menschen. Sie träumen etwa davon, im Lotto zu gewinnen und dann nicht mehr arbeiten zu müssen. Und wir sehen die Möglichkeiten, dass in Zukunft dieser Zustand für alle erreichbar ist.

Wie wäre der erreichbar? Und wie wäre das schöne Leben mit der Armut vereinbar?
Wir gehen davon aus, dass sich die Technik, die Roboter weiter entwickeln und immer mehr Arbeiten erledigen können, die heute noch von Menschen gemacht werden. Der Optimalzustand wäre erreicht, wenn wir von den Maschinen bedient werden.

Das leuchtet ein. Wer stellt die Maschinen her?
Das können ja dann auch wieder Maschinen machen.

Sehr gut.
Es wird natürlich in Zukunft noch nötig sein, dass Menschen mithelfen müssen. Allerdings auf immer weniger Arbeitsplätze verteilt. Es wird eine Entwicklung geben, in deren Folge durch Automatisierung Arbeitsplätze verschwinden und dadurch Arbeitszeiten verkürzt werden können. Im Bewusstsein der Menschen ist aber immer noch fest verankert, dass ein Arbeitsplatz das Höchste sei, was man besitzen kann.

Was entgegnen Sie demjenigen, der sagt, er mache seine Arbeit gerne und sie mache ihm Spaß?
Wir finden das wunderbar, dass jemand seine Arbeit gerne macht, und wir fragen ihn, ob er sie auch so gerne macht, dass er sie umsonst machen würde, oder ob er sich vorstellen kann, ein Grundeinkommen zu bekommen.

Interview: Thomas Blum

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