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03.05.2012

Wahlkampf in Bagram

Kommentar von Olaf Standke

Rund 11 000 Kilometer Flug in der Air Force One für 11 Minuten Wahlkampf - auch so kann man Barack Obamas dritte Visite in Afghanistan zusammenfassen. Denn das war es: Wahlkampf pur, verpackt in einer Rede an die Nation zur besten Sendezeit, gehalten auf jenem Luftwaffenstützpunkt Bagram, von dem vor einem Jahr die beiden Tarnkappen-Hubschrauber mit Navy Seals aufstiegen, um im pakistanischen Abbottabad endlich den Staatsfeind Nr. 1 Osama bin Laden zu töten. Mehr Symbolik geht nicht. Das Ende von Al Qaida konnte der USA-Präsident zwar noch nicht verkünden, aber nah dran sei man schon. Obamas Wahlkampf-Team hat den Jahrestag angesichts unzureichender Zustimmungsraten für den Mann im Weißen Haus weidlich ausgeschlachtet: Hier der Amtsinhaber als entschlossener Oberbefehlshaber, da sein faktischer republikanischer Herausforderer Mitt Romney als politisches Weichei, das den Einsatzbefehl wohl nie gegeben hätte - die tradierten Verhältnisse auf dem sicherheitspolitischen Schlachtfeld Washingtons scheinen auf einmal auf den Kopf gestellt.

Und dann versprach Messias Obama den kriegsmüden Wählern auch noch die Erneuerung »Amerikas« samt Licht am Ende des opferreichen afghanischen Tunnels. Der nach massiver Aufstockung in seiner Amtszeit inzwischen angekündigte Truppenabzug ist nun vertraglich mit der Führung in Kabul vereinbart. Die für Friedensverhandlungen umworbenen Taliban reagierten postwendend mit einer tödlichen Botschaft: Mindestens elf Menschen starben bei Terrorakttacken, kaum dass Obama wieder abgehoben war. Dass auch nach 2014 Kampfverbände am Hindukusch stationiert bleiben, wollte er bei seinem Auftritt lieber nicht verschweigen; wie viele - Regierungsvertreter ließen die Zahl 20 000 Soldaten durchsickern - und wie lange - laut Vertrag mindestens zehn Jahre -, das sagte er nicht. Es hätte kaum zum Bild des Friedensbringers gepasst. Der aktuelle Lagebericht des Pentagon jedenfalls verbreitet nur bedingt Optimismus. Und ein nachhaltiges Konzept zur wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Entwicklung Afghanistans fehlt gleich ganz. Präsident Bush hatte 2003 in einer ähnlichen Inszenierung das Ende der Kampfeinsätze in Irak verkündet. Erst sieben Jahre später beendete Obama den Krieg wirklich.

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