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Von Marion Pietrzok
03.05.2012

Sonderklasse

DVD: Gerhard Richter Painting

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Künstlerporträts im Film gibt es viele. Selten eins, das enttäuscht. Geht es um bildende Kunst, spielen meist Biografisches und der Zusammenhang mit dem Werk die Hauptrolle. Einblicke in die Künstlerwerkstatt werden en passant gegeben. Corinna Belz' Film »Gerhard Richter Painting« ist da eine Ausnahme: Er macht, wie wohl keine andere Dokumentation bisher, das Physische des Malvorgangs geradezu unmittelbar erfahrbar. Der bei Richter überdies besonders spektakulär ist durch die Verwendung bodenbrettgroßer Rakel für die abstrakten Gemälde, die im Laufe der Filmarbeiten entstanden.

Über drei Jahre hatten die Regisseurin und ihr kleines Team Gerhard Richter bei der Arbeit zugesehen. Ein spannender Prozess. Und die beobachtende Kamera ist das Augenpaar des Zuschauers. Auch das Mikrofon scheint in wundersamer Weise zum lebendigen Organ mutiert zu sein: Mit den eigenen Ohren hört man die konzentrierte Stille im halligen Atelier. Die Geräusche, wenn die Farbe aufgestrichen oder wieder abgekratzt wird, eine Leiter geschoben, klingen wie das Luftholen und Ausatmen. Alle Sinne sind angespannt. Die Farben in Eimern, auf dem Rakel, auf den meterhohen Leinwänden - man kann sie, auch ohne 4D, förmlich riechen.

»Gerhard Richter Painting«, vergangenes Jahr in Deutschland gestartet, läuft noch immer bundesweit, da und dort, in den Kinos (nd-Kritik 13.9. 2011). Jetzt hat das Porträt die Goldene Lola für den besten Dokumentarfilm bekommen. Auch auf DVD kann man inzwischen den Film sehen. Sie bietet einen Zugewinn durch die sogenannten Extras. Den sonst so wortkargen Richter in zwei Interviews zu erleben, in entspannter Atmosphäre mit langjährig Vertrauten, rundet auch den Eindruck von der Persönlichkeit dieses Sonderklassemalers ab.

Gerhard Richter Painting. Regie: Corinna Belz. 97 Minuten + Extras. Booklet. Label: Piffl

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