04.05.2012
Paris

Duell ohne Durchfall

Sarkozy und Hollande beharkten sich vor der Kamera

Vor der Stichwahl in Frankreich hat Präsident Nicolas Sarkozy im TV-Duell den in Umfragen führenden Sozialisten François Hollande nach Urteil der Medien nicht in Bedrängnis gebracht.

Paris (dpa/AFP/nd). »Hollande bleibt Favorit nach der Debatte«, urteilte die Zeitung »Le Monde« am Donnerstag. In den französischen Medien herrschte der Tenor vor, dass Sarkozy seinen Herausforderer bei der äußerst aggressiv geführten Fernsehdebatte nicht in die Ecke drängen konnte.

Der im Popularitätstief steckende Sarkozy hatte am Mittwochabend versucht, seinen Kontrahenten zu provozieren und bloßzustellen, um Wechselwähler auf seine Seite zu ziehen. Fast jeder dritte Franzose verfolgte das einzige TV-Duell der beiden Kontrahenten. Vor der Stichwahl um das Präsidentenamt am Sonntag warf der Amtsinhaber dem Bewerber Hollande vor, keine Konzepte für die notwendige Sparpolitik vorweisen zu können und von Europa-Politik keine Ahnung zu haben. Hollande konterte mit Hinweisen auf die aus seiner Sicht miserable Regierungsbilanz Sarkozys und die hohen Arbeitslosenzahlen.

Meinungsforscher hatten Hollande am Mittwoch vor dem TV-Duell bei 53,5 bis 54 Prozent gesehen, Sarkozy bei nur 46 bis 46,5 Prozent. Etliche Wähler hatten sich aber noch als unentschlossen bezeichnet.

Hollande zeigte sich am Donnerstag im Rundfunksender France Inter zufrieden mit seiner Leistung. Mit Blick auf die Stichwahl am Sonntag warnte er, dass es zu früh für Jubel sei. »Mir ist klar, dass noch nichts entschieden ist. Es gibt noch Unbekannte bei dieser Wahl«, erklärte er.

Das Lager von Sarkozy zeigte sich überrascht, wie aggressiv der sozialistische Favorit Hollande aufgetreten sei. Sarkozys Sprecherin Nathalie Kosciusko-Morizet sagte am Donnerstag dem Sender France Inter, sie frage sich, wie jemand, der hinter der Kamera so »sanft« erscheine, »so aggressiv und arrogant« vor der Kamera sein könne. Hollande sei dem konservativen Präsidenten auch sehr oft ins Wort gefallen.

Auch Innenminister Claude Guéant befand, Hollande sei »sehr kämpferisch« gewesen, zugleich »voller Arroganz, voller Selbstgefälligkeit«. Der Sozialist habe den Eindruck erweckt, als ob er schon im »Präsidentensessel« sitze, sagte er dem Sender Europe 1. Zugleich wiederholte er den Vorwurf Sarkozys während der Fernsehdebatte am Mittwochabend, dass Hollande »lüge«. Sarkozy hatte den Sozialisten in dem TV-Duell zudem als »kleinen Verleumder« bezeichnet.