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Von Caroline M. Buck
04.05.2012

Brutal schön

Arsenal und Griechische Kulturstiftung zeigen neues griechisches Kino

Dass im Land die Krise wütet, ist den Filmen anzumerken. Aber nicht Griechenlands desolate Wirtschaftslage war Ausgangspunkt für die ausführliche Bestandsaufnahme, die das Arsenal der Filmkunst des Landes widmet, sondern deren ganz erstaunliche Blüte.

Eine Blüte, die sich nicht staatlichen Förderprogrammen verdankt, sondern alternativen Finanzierungsmodellen, billiger Aufnahmetechnik, spontaner Kreativität und einer konstruktiven Vernetzung der Filmemacher untereinander. Viele der 13 Filme aus den letzten dreieinhalb Jahren haben schon auf Filmfesten von Cannes bis Venedig Aufsehen erregt, zwei werden in den Folgewochen regulär in den deutschen Kinos zu sehen sein: »Attenberg« von Athina Rachel Tsangari ist eine formal eigenwillige wie unterhaltsame Betrachtung einer jungen Frau nach der Art eines Tierfilms. »Alpeis« (»Alpen«) von Yorgos Lanthimos, von dem jetzt im Arsenal auch der ältere »Kynodontas« (Dogtooth, 2009) gezeigt wird, ist ebenfalls von großer Originalität und Sprengkraft.

»Dogtooth« handelt vom eruptiven Erkenntnisprozess dreier erwachsener Geschwister, die von ihren Eltern in häuslicher Gefangenschaft in einer familiären Parallelwelt erzogen wurden, in denen Wörter eine selbst zugewiesene Bedeutung haben, Gefühle ganztägig unterdrückt werden, der Großvater mit der Stimme von Frank Sinatra musikalische Botschaften an seine Nachfahren hinterließ. Und gleich jenseits des Gartentors beginnen jene weißen Flecken, die auf mittelalterlichen Landkarten von reißenden Monstern bevölkert waren. Als den dreien durch einen nicht länger vermeidbaren Außenkontakt bewusst wird, dass es hinter den Hecken ihres Eigenheims eine andere, viel größere und buntere Welt gibt mit völlig anderen Regeln, bricht sich ihr Ausbruchsdrang gewaltsam Bahn.

Die merkwürdige Geheimgesellschaft, die sich in »Alpen« abends in der Turnhalle um einen diktatorischen Führer mit dem abweisenden Decknamen Mont Blanc versammelt, weist eine vergleichbar streng hierarchische Struktur auf wie die patriarchalische Hausgemeinschaft in »Dogtooth«.

Eine mal eher latente, mal explosiv ausbrechende Gewaltbereitschaft und greifbare gesellschaftliche Verunsicherung ist in den meisten der Filme spürbar, auch wenn man nie recht weiß, ob sie ein Ausdruck der Krise ist oder nicht vielleicht ein Teil ihrer Ursache. Fremden- (und oft genug auch Frauen-)Feindlichkeit mögen in Zeiten wirtschaftlicher Not ein Symptom des Überlebenskampfes sein, die Kommunikationsprobleme der Figuren untereinander und ihre offensiv gelebte Hoffnungslosigkeit lassen aber wenig Perspektive für eine strukturelle Neuorientierung oder alternative soziale Entwürfe für ein zukünftiges Griechenland erkennen.

Besonders eindrucksvoll kommt das in zwei Schwarz-Weiß-Filmen zum Ausdruck, dem zynischen, zwingenden, brutalen und brutal schönen Ehebruchs- und Sozialdrama »Macherovgaltis« (Knifer / Messerstecher) von Yannis Economides, und in dem stilisierten urbanen Episodenfilm »Tungsten« von Yorgos Georgopoulos, der während eines der endemischen Stromausfälle während einer der üblichen Streikwellen spielt. Und in den beiden Dokumentarfilmen zu Flüchtlings- und Fremdarbeiterschicksalen in Griechenland: »The Palace« von Multitalent Yoannis Roumeliotis, der eine Gruppe pakistanischer Leiharbeiter auf einer griechischen Insel betrachtet, wo sie in völliger Abgeschiedenheit eine Fischfarm betreiben, und »Khaima« von Athanasios Karanikolas über ein improvisiertes Lager afghanischer Flüchtlinge im Hafen von Patras und seine Zerschlagung. Beide Regisseure leben und arbeiten heute in Deutschland.

Ein Programm aus Kurzfilmen ergänzt die 13 Spiel- und Dokumentarfilme.
4.-30.5., Kino Arsenal

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