Von Bernd Zeller
05.05.2012
Kolumne

Prämie

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Vignette: Bernd Zeller

Die Bundesregierung engagiert sich für die Streitkultur in Deutschland und beschafft ein Thema, an dem sich das Debattieren üben lässt. Der Streit, oder besser: das Ringen um die demokratische Entscheidung, über das Betreuungsgeld und darüber, ob es Herdprämie heißen soll, ist typisch deutsch und sollte eine Touristenattraktion sein.

Siebzig Prozent sind dagegen, so dass man den Politikern, die dafür sind, jedenfalls nicht Populismus vorwerfen kann. Unter denen, die es bekommen würden, sieht man die Sache differenzierter, da herrscht die Meinung, dass man es gebrauchen könnte und dass es deshalb gerecht wäre.

Eine Prämie dafür zu zahlen, dass ein Kind nicht in die Krippe geht, ist nicht unbedingt verwerflich. Der Staat tut, was er am besten kann, er gibt Geld. Die Zahlung würde nicht einmal an ein Bekenntnis zum Grundgesetz gekoppelt sein, wodurch Gleichheit und Transparenz geschaffen wären.

Kritiker meinen es abfällig, wenn sie von Herdprämie sprechen, obwohl man es auch als Anerkennung verstehen könnte. Wer kocht schon noch selbst. Andere Kritiker befürchten, das Geld würde in manchen sozialen Bezirken brennpunkttypisch ausgegeben. Dies würde aber nur dafür sprechen, noch mehr Geld zu geben und eventuell die Teilhabe noch gleicher zu verteilen, um die Ursachen zu bekämpfen.

Damit nicht extra wegen des Geldes die Kinder zu Hause behalten werden, sollte sichergestellt sein, dass es nur diejenigen kriegen, die ihre Kinder sowieso zu Hause behalten hätten. Um Gleichbehandlung herzustellen, sollte das Betreuungsgeld auch an alle anderen gezahlt werden, dann aber dafür, dass sie ihre Kinder aus der Tagesstätte abholen. Wie wir die Leute kennen, wird das Hauptproblem werden, dass viele das Geld kassieren und ihre Kinder heimlich in die Krippe geben.