Von Andreas Fritsche
09.05.2012

Eine Uni wehrt sich

Brandenburgs Wissenschaftsministerin will BTU in Cottbus auflösen und mit Fachschule fusionieren

Die Cottbuser Universität will einer drohenden Auflösung durch neue Strukturen und eine engere Kooperation mit der Hochschule Lausitz entgehen. Dazu präsentierte die Hochschulleitung am Montag ein Konzept.

Die Brandenburgische Technische Universität (BTU) in Cottbus wehrt sich gegen ihre Schließung. Sie will stattdessen enger mit der Fachhochschule Lausitz in Senftenberg kooperieren. Am Montag legte die Universität ein 17 Seiten umfassendes Konzept vor.

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (für SPD) hegt die Absicht, die BTU und die Fachhochschule Lausitz zu fusionieren. Sie sollen zunächst aufgelöst werden. Anschließend soll zum Wintersemester 2013 eine Universität mit Standorten in Cottbus und Senftenberg neu gegründet werden - Arbeitstitel: »Energieuniversität Lausitz«.

Die Fachhochschule Lausitz möchte sich auf das womöglich riskante Spiel einlassen. Gegenüber den Technischen Universitäten in Berlin und Dresden könne sich die BTU »nicht dauerhaft behaupten«, verlautete von dort. Der Vorschlag einer Spartenuniversität, die sich »auf deutlich weniger, aber qualitativ hochwertigere Fächer« spezialisiere, die sich zumeist um das Thema Energie ranken, dieser Vorschlag von Ministerin Kunst gehe in die richtige Richtung.

Mehr Kooperation

Doch die BTU ist skeptisch. Die Idee einer Neugründung sei nicht ausgereift, den Plan in die Tat umzusetzen wäre rechtlich aufwendig, viel zu teuer und mit unbeabsichtigten Schäden verbunden. Der Gegenvorschlag sieht vor, in ausgewählten Bereichen in Forschung und Lehre zu kooperieren.

Dazu sollen gemeinsame wissenschaftliche Einrichtungen genutzt und auch extra gebildet werden: die School of Management, Economics und Social Sciences sowie die Gilly School of Architecture und Civil Engineering. Bislang gibt es bereits ein gemeinsames Institut für Lehre, Forschung und Kommunikation im Bauwesen. Des weiteren sollen bei der Infrastruktur und in der Verwaltung Synergien genutzt, es sollen neue Studienfächer wie Angewandte Mathematik und Materialwissenschaft angeboten werden. Und es soll Ingenieurstudenten künftig möglich sein, ihren Abschluss forschungs- oder anwendungsorientiert zu machen.

»Indem wir gemeinsame ›Schools‹ bilden, wofür es lediglich gemeinsamer Verwaltungsvereinbarungen der beiden Hochschulen bedarf, können wir effektiv und schnell miteinander kooperieren«, argumentiert BTU-Präsident Walther Ch. Zimmerli. Das gehe ab sofort und ohne das Gesetzgebungsverfahren, dass für Schließung und Neugründung in Gang gesetzt werden müsste. Die Universität erklärte, Ministerin Kunst habe ihren »radikalen Vorschlag« damit gerechtfertigt, dass die BTU von innen heraus nicht reformfähig sei. Dieser Vorwurf werde aber mit dem taufrischen Konzept entkräftet.

Offene Fragen bleiben jedoch. Beispielsweise: Wer deckt die Kosten der Strukturveränderungen? Wie viele Studienplätze soll es geben? Dergleichen müsse geklärt werden, vermerkt das BTU-Konzept. Verfasst wurde das Papier unter der Maßgabe, dass es keineswegs darum gehe, Einsparmöglichkeiten zu finden und die »ohnehin schon knappen Zuweisungen weiter zu reduzieren«.

Wissenschaftsministerin Kunst wird allerdings verdächtigt, ihr gehe es am Ende doch nur darum, den Rotstift anzusetzen. Die Linksjugend solid etwa formulierte: Die angestrebte Universitätsneugründung sehe man als ein »mit schönen Worten verpacktes Sparpaket«.

Verunsicherte Studenten

Der Cottbuser Landtagsabgeordnete Jürgen Maresch (LINKE) hält das BTU-Konzept für den »richtigen Weg«. Erste negativen Auswirkungen des Fusionsplans seien bereits zu spüren. »Studenten werden verunsichert«, berichtete Maresch.

Das Wissenschaftsministerium wertete den Gegenvorschlag der BTU souverän als »willkommenen Beitrag zur Diskussion«, ohne das Konzept jetzt schon im Detail bewerten zu wollen.

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