10.05.2012

Ihr doch egal

Standpunkt von Silvia Ottow

Es wäre albern zu glauben, Kristina Schröder würde nun all die 24 176 Namen lesen, die sie - eingewickelt in grünes Schleifenband - gestern von einem Kritikerbündnis überreicht bekam. Warum sollte sie? Renate Künast oder Jürgen Trittin kennt sie ja und Andreas Büttner aus Kamenz oder Anne Kathrin Müller aus Mainz dürften ihr doch egal sein. Vielleicht ist der Realitätsverlust dieser jungen Frau ja schon so groß, dass sie sich sagt: Viel Feind, viel Ehr', und sich in der fortgesetzten Kritik an ihrem Frauen- und Familienbild sonnt. Wer weiß das schon?

Leider ist aber die Art und Weise, wie sie ihr Amt nicht ausübt, alles andere als der harmlose Zeitvertreib einer kindlich unerfahrenen, karrieresüchtigen Konservativen. Wenn man ihr nur Stillstand bei der Lösung dieser Probleme vorwerfen müsste - geschenkt! Aber ihr Nichtstun bewirkt viel mehr: Mit jedem Tag, an dem sie ihre dümmlichen Theorien von Flexiquoten oder feministischen Rollendiktaten in Mikrofone sprechen oder auf Papier drucken lassen darf, verschlechtern sich die Chancen, hierzulande endlich gerechte Löhne oder familienfreundliche Arbeitsbedingungen flächendeckend herbeizuführen. Gleichzeitig vergrößern sich die Aussichten für Frauen, in Altersarmut zu geraten, und die für Kinder, nicht gut betreut zu werden.

Nein, die Bundesfamilienministerin macht keinesfalls freiwillig einer anderen Person den Weg in ihr Amt frei, nur weil es Tausende von Menschen von ihr fordern. Aber es ist trotzdem schön, dass wir wieder einmal darüber gesprochen haben.