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Von Nissrine Messaoudi
11.05.2012

Über der versunkenen Bibliothek

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Bücherfreunde gedenken zusammen mit der LINKEN auf dem Bebelplatz der Bücherverbrennung von 1933.

Rote, graue und orange Plastikstühle stehen verteilt auf dem Bebelplatz in Berlin. Auf ihrer Sitzfläche liegt jeweils ein Buch. Werke von Thomas Mann, Ernest Hemingway, Bertold Brecht und anderen Schriftstellern, die ein Schicksal teilten. Ihre Bücher wurden zusammen mit anderen Büchern am 10. Mai 1933 verbrannt.

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Anlässlich des 79. Jahrestages der Bücherverbrennung lud die Bundestagsfaktion der LINKEN gestern zu einer Gedenkveranstaltung auf dem Bebelplatz, »um aus den Büchern zu lesen, die die Nazis damals vernichten wollten«, sagt Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch. Seit fast 20 Jahren kommen Bücherfreunde auf dem Bebelplatz zusammen, und gedenken an verbrannte und verbotene Bücher. Seit 1994 erinnert das Mahnmal »Bibliothek« von Micha Ullman dauerhaft an die Ereignisse von 1933.

Neben Politikern der Linksfraktion - darunter Udo Wolf, Carola Bluhm und Klaus Lederer -, nahm auch die Bundespräsidentenkandidatin Beate Klarsfeld an der Veranstaltung teil. »Lesen gegen das Vergessen« sei eine Würdigung aller Menschen, die sich der Nazibarbarei nicht beugten, so Lötzsch. Dazu gehörte auch Elfriede Brüning die letzte Überlebende des »Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller«, der damals von den Nazis verboten wurde. »Viele von uns haben Deutschland verlassen. Die, die geblieben sind, mussten sich in alle Winde zerstreuen, um nicht verhaftet zu werden«, erinnert sich die heute 101-Jährige an die Geschehnisse.

Für die Schüler der Alexander-Puschkin-Schule und der Jüdischen Oberschule ist die Bücherverbrennung hingegen nur schwer nachzuvollziehen.

»Es muss wirklich schrecklich gewesen sein, aber so ganz kann ich mir das nicht vorstellen, wie hier auf dem Platz Bücher in Flammen standen«, sagt Bastian Robert. Der 17-Jährige ist zusammen mit anderen Schülern freiwillig zum Gedenken gekommen, »um seine Trauer auszudrücken«, so der Zehntklässler. Es sei wichtig, auch heute ein Zeichen gegen Neonazismus zu setzen. Für ihr Engagement wurde der Institution als erster Schule im Osten der Titel »Schule ohne Rassismus« verliehen.

»Zum Glück leben wir in einer anderen Zeit«, sagt Martha von der Jüdischen Oberschule in Berlin. Die 15-Jährige findet das Gedenken »schon ganz interessant«, allerdings seien für sie die Zustände von 1933 kaum greifbar. »Wir behandeln das Thema zwar im Geschichtsunterricht, aber für mich ist das alles sehr weit weg.«

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