Thomas Mell
15.05.2012
Person

Meereshirte

Paul Watson / Der Umweltaktivist wurde in Frankfurt am Main inhaftiert

Ihn als unbequem zu beschreiben, wäre eine Untertreibung. Paul Watson, Gründer und Anführer der militanten Umweltschutzorganisation Sea Shepherd (Meereshirte), hat in seiner langen Laufbahn manchen Freund und Feind erzürnt. Am Wochenende wurde der Kanadier mit US-Staatsbürgerschaft beim Umsteigen am Frankfurter Flughafen festgenommen. Hintergrund: ein internationaler Haftbefehl aus Costa Rica wegen eines Vorfalls aus dem Jahr 2002, als Watson & Co. vor der zentralamerikanischen Küste die durchaus brutale Jagd auf Haifischflossen behindern und dokumentieren wollten. Verletzung des Seeverkehrsrechts wird ihnen vorgeworfen, gar von versuchtem Totschlag ist die Rede.

Watson, 1950 in Toronto geboren, hat sich einen Namen als Schützer der Ozeane gemacht. Mit 27 Jahren gründete er die Organisation Sea Shepherd, die sich unter schwarz-weißer Piratenflagge mit Totenkopf für Wale, Robben und andere Meeresbewohner einsetzt. Bekannt ist sie für ihren Kampf gegen die japanische Walfangflotte. Zum Arsenal der Meereshirten gehören das Rammen auf hoher See und der Einsatz von Buttersäure und Tauen, die sich in Schiffsschrauben verheddern.

Die Bereitschaft zur Konfrontation ist für Watson bezeichnend. Anfang der 70er stieß er nach einer kurzen Karriere als Küstenwächter und Seemann zu Greenpeace und stieg rasch vom Schiffsgehilfen zum Vorstand auf. Doch prangerte er die aus seiner Sicht zu harmlose Haltung der »Regenbogenkrieger« an, was 1977 zum Bruch führte. Der Streit der zwei Umweltorganisationen schwelt bis heute.

Dem nunmehr 61-Jährigen wird die Neigung zur Selbstdarstellung nachgesagt. Er lässt sich Kapitän nennen und zeigt sich gerne in Paradeuniform. Einige frühere Freunde und Mitstreiter haben ihm wegen seines autoritären Führungsstils den Rücken gekehrt. Watson, von Kritikern als Ökoterrorist bezeichnet, wurde mehrmals angeklagt und für schuldig erklärt. Doch schien es, als hätte man ihn inzwischen als wirren Meereshirten abgehakt. Die Verhaftung wegen einer angeblichen Altlast überrascht deshalb.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken