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15.05.2012

In Bewegung sein, um Menschen zu begeistern

NRW-Landessprecherin Katharina Schwabedissen und ihre Diagnose zur LINKEN

»Wir haben gekämpft, haben verloren. Wir werden aufstehen und weiter kämpfen. Um zu gewinnen.« Katharina Schwabedissen, Landessprecherin der LINKEN in Nordrhein-Westfalen, hält die Westausdehnung der Partei nicht für gescheitert. Sie hat weiter Mut und Lust, das »Projekt LINKE« zum Erfolg zu führen. Mit ihr sprachen Uwe Kalbe und René Heilig.

nd: Sie sind gelernte Krankenschwester. Die LINKE muss auf die Intensivstation. Wie sind die Überlebenschancen?
Schwabedissen: Wenn man Krankheiten rechtzeitig erkennt, sind sie meist heilbar.

Wenn die Gesamtkonstitution nicht schon zu schlecht ist. Wie lautet Ihre Diagnose?
Die Partei ist noch jung, gerade fünf Jahre alt. Sie muss wachsen, es wird Zeit, dass wir den Parteiaufbau voranbringen. Da ist viel liegengeblieben zwischen all den Wahlkämpfen. Und es gab zu viele persönliche Auseinandersetzungen. Dennoch: Wir haben gute Politik gemacht, auch in NRW, die richtigen Themen gesetzt ...

Nur die Wähler haben sie nicht verstanden? Sind die nicht klug genug für die LINKE? Oder waren es mal wieder die bösen Medien?
Zwei Mal nein. Linke Parteien gewinnen nicht über die Medien. Und: Natürlich sind nicht die Wählerinnen und Wähler schuld. Wir hätten ihnen besser erklären müssen, dass wir Druck gemacht haben im und vor dem Parlament, damit SPD und Grüne sich in die richtige Richtung bewegen. Doch auch Menschen, die das anerkennen, sagten uns: Jetzt wählen wir SPD und Grüne, damit die eine klare Mehrheit haben im Land. Ich kann nachvollziehen, dass Menschen gerade in Zeiten, da neue Krisen heraufziehen, ein Bedürfnis nach Stabilität haben.

Dafür steht die LINKE offenbar nicht, jedenfalls nicht im Westen. NRW ist die Herzkammer der Sozialdemokratie, da haben viele Menschen gehofft, dass die SPD endlich wieder eine sozialdemokratische Partei ist. Dem ist nicht so. Ab heute werden alle rot-grünen Spar- und Kürzungspläne aus den Schubladen geholt und verabschiedet.

Kommt die LINKE nicht auch etwas verstaubt daher? Intelligent, frisch, frei geht anders...
So? In Nordrhein-Westfalen sind wir jedenfalls genau das: intelligent, frisch, frei - und sehr weiblich. Ich glaube, wir brauchen einfach noch Zeit für einen soliden Parteiaufbau. Es mangelt an der Verankerung vor Ort. Beispielsweise meine Generation, die zwischen 30 und 50 Jahren, fehlt fast völlig in unseren Reihen. Und das Problem können wir nur über eine solide, ehrliche kommunale Verankerung lösen. Die Linke hat früher davon gelebt, dass sie in Stadtvereinen und Kleingartenkolonien - im Viertel - verankert war ... Wenn wir da nicht ankommen, wird auch das Projekt der LINKEN nicht gelingen.

Die Gesamtpartei ist da nicht sehr hilfreich?
Ich hätte mir an vielen, vielen Stellen eine andere Form der politischen Auseinandersetzung gewünscht, auch dass der Parteivorstand viel, viel mehr die Idee eines linken Projektes vorantreibt, damit klarer wird: Wir sind die Partei mit der Vision für eine bessere Gesellschaft. Immer mehr Menschen lehnen das übliche Konstrukt von Parteien ab oder stehen ihm zumindest skeptisch gegenüber.

Ich finde es zusätzlich schwierig, wenn man statt dessen die laufende Personaldiskussion auf die Vorsitzende und den Vorsitzenden fokussiert. Im Vorstand sind 44 Menschen, die haben alle eine Verantwortung. Da ist einiges schräg gelaufen in den vergangenen zwei Jahren. Wenn man die Zeitung aufschlug, konnte man lesen, was der über die und die über den gesagt hat. Es könnte wahrlich solidarischer zugehen.

Hätte es Ihnen geholfen, wenn Lafontaine seine Absichten vor den Wahlen erklärt hätte?
Nein.

Die LINKE als ein lebendiges, lernendes Projekt - das ist etwas ganz anderes, als das derzeit zu vernehmende Hörnerstoßen alter Männer.
Das heißt ja nicht, dass sich das nicht ändern kann. Die Bereitschaft zu akzeptieren, dass nur wichtige Männer den Weg der Partei bestimmen, nimmt ab. Wir wollen nicht so sein, wie all die anderen Parteien. Wir wollen nicht sein wie die SPD, nicht wie die SED, nicht wie die PDS und auch nicht wie die WASG. Unsere Partei muss in Bewegung sein, sich aufmachen, um Menschen zu begeistern. Ich glaube, in den kommenden Wochen und beim Parteitag wird sich viel entscheiden.

Klaus Ernst verkaufte der Presse gerade die Idee einer »kooperativen Führung«. Muss nicht jeder, der sich den Vorsitz zutraut, mit jedem anderen »können«?
Im Prinzip stimmt das. Es gibt aber Verletzungen und Auseinandersetzungen, die so hart gewesen sind, dass Zusammenarbeit schwierig ist.

Und deshalb suchen jetzt »Kreise« für zwei Führungsmänner die jeweils kompatible Vorstandsfrau. Demokratische Entscheidungen sehen anders aus. Geht es nicht auch ohne die Männer?
Klar.

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14 Kommentare

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  • c.herzog / 15. May 2012 05:41

    Eine authentische, hoffnungsvolle Politikerin

    Ich wünsche der LINKEN mehr solche Politikerinnen. Wenn die Partei nicht in den Landtag NRW gewählt worden ist, dann liegt das an den Machtkämpfen der alten Männer in der Führung und nicht an Katharina Schwabedissen. Ihr möchte man zurufen, halten sie durch und bleiben sie so wie sie sind.

  • Ani-metaber / 15. May 2012 07:03

    Eine

    die Mut machen kann.

  • max-stirner / 15. May 2012 10:57

    Gefunden bei...

    http://www.wsws.org/de/2012/mai2012/nrw-m15.shtml

    Großer Wahlverlierer in NRW ist neben der CDU die Linkspartei. Mehr als die Hälfte aller Wähler kehrten ihr den Rücken. Sie war vor zwei Jahren mit 5,6 Prozent erstmals in den nordrhein-westfälischen Landtag eingezogen und fliegt nun mit 2,5 Prozent wieder hinaus.

    Das ist vor allem eine Folge ihrer eigenen, rechten Politik. Im Wahlkampf 2010 hatte die Linkspartei große soziale Versprechungen gemacht, sich dann aber im Landtag auf die Rolle des Mehrheitsbeschaffers für die rot-grüne Minderheitsregierung beschränkt und deren massiven Kürzungen unterstützt. Das hat sie diskreditiert. Jeder fünfte Wähler der Linkspartei stimmte diesmal direkt für die SPD, ein weiteres Fünftel unterstützte die Piraten und ein geringerer Teil wanderte zu den Grünen.

  • Sternwind / 15. May 2012 12:30

    Allein die Sprache ist eine Wohltat

    Klar, offen, herzlich und lebendig.
    Allein das ist schon eine wahre Wohltat.
    Bitte mehr davon!

  • Sternwind / 15. May 2012 12:33

    PS

    Das Lisberth und der Schorsch würden zu ihr sagen:
    Die ist Echt.

  • Manni / 15. May 2012 13:21

    Re: Eine authentische, hoffnungsvolle Politikerin

    Die "alten Männer" wissen wenigstens noch wo der Hammer hängt. Junge Idealisten sind nur leichte Beute des politischen Gegners. Die rammeln mit ihrer Besserwisserei letztendlich alles in den Dreck. Z.B. der Dreck, den wir seit der Wende haben. Freilich war ich zu dieser Zeit auch jünger. Wenn ich mir aber angucke, was aus dieser "Friedlichen Revolution" heute geworden ist, würde ich liebend gern darauf verzichten.Freiheit ist keine. Heute haben wir eine Diktatur des Kapitals. Und wie die damaligen "Freiheitskämpfer" vor dieser Diktatur den Buckel krumm machen. Wie lächerlich die heute wirken.

  • Rotspoon / 15. May 2012 15:17

    Sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen, denn hier liegt der Hund begraben:

    "Ich hätte mir an vielen, vielen Stellen eine andere Form der politischen Auseinandersetzung gewünscht, auch dass der Parteivorstand viel, viel mehr die Idee eines linken Projektes vorantreibt, damit klarer wird: Wir sind die Partei mit der Vision für eine bessere Gesellschaft. Immer mehr Menschen lehnen das übliche Konstrukt von Parteien ab oder stehen ihm zu mindest skeptisch gegenüber".

    Sie hat kein linkes Projekt und sie hat auch keine Vision, diese Partei. Ihre drei "Alleinstellungsmerkmale" sind da kein Ersatz. Aber diese Partei hat mindestens zwei Hände voll Frauen mit Herz UND analytischem Verstand gegen die nicht nur die älteren sondern auch einge "jüngere" Herren in den höheren Etagen der LINKEN ziemlich alt aussehen.

  • attika62 / 15. May 2012 16:49

    Re: Sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen, denn hier liegt der Hund begraben:

    @rotspoon hat den Nagel auch getroffen. Ich fand vor allem auch den Schluss des Interviews sehr interessant: "Geht es nicht auch ohne die Männer?- Klar." Was spräche zum Beispiel gegen ein Duo Kipping/Wagenknecht? Das brächte neben neuer Optik vor allem auch neue Ideen. Und die Männer der Macht könnten die neuen Wege weiterhin gekonnt besserwisserisch begleiten :-)

  • guenter1952 / 15. May 2012 17:06

    Frau Schwabedissen

    würde sehr gut zu den Piraten passen.
    Hoffentlich überlegt sie es sich. Denn wenn ihre Parteitätigkeit eines Tages
    kein Vorteil mehr für die steuernden Altkommunisten ist, wird sie ganz schnell weg vom Fenster sein.

  • antonin / 15. May 2012 18:56

    Tapfer

    Tapfer und klug. Danke für diese rettenden Worte, die die Peinlichkeiten von Berlin bis Saarbrücken zwar nicht vergessen machen, aber doch einen Rest Hoffnung lassen. Mehr davon!

  • Rotspoon / 15. May 2012 20:32

    Dich nenne ich einen echten SCHWARZSEHER

    Oh guenther1952

  • Rotspoon / 15. May 2012 20:36

    Meine Oma, geb.1878,hat es mehrmals gesagt:

    Wir Alten sollen nicht schlecht über die Jugend reden, denn sie hat das Leben noch vor sich

  • Rotspoon / 15. May 2012 22:30

    Wer kennt die Altkommunisten, nennt die Namen

    Die da hinter dem Steuer zusammen kamen?

  • guenter1952 / 17. May 2012 23:13

    Re: Man kann die Fäden doch sogar sehen, mit denen die Marionette

    Schwabedissen bewegt wird.

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