Von Hermannus Pfeiffer
19.05.2012

Abwicklung eines Massenprodukts

Mehrere Milliardenschwere Immobilienfonds stehen in Deutschland vor dem Aus

Am Montag entscheidet, ob mit dem »CS Euroreal« bereits der zehnte Offene Immobilienfonds in Deutschland abgewickelt werden muss.

Besonders treffen könnte es wieder einmal Kleinanleger. Zahlreiche Offene Immobilienfonds waren mit der Banken- und Finanzkrise, die im Sommer 2007 durch eine geplatzte Immobilienblase in den USA ausbrach, in eine gefährliche Schieflage gerutscht: Großanleger zogen auf einen Schlag Milliardensummen ab. Viele der Fonds machten daraufhin die Schotten dicht und nahmen keine Anteilsscheine mehr zurück, weil es ihnen an Geld fehlte. Die Lage hat sich bis heute kaum entspannt. Aktuell sind laut Statistik des Branchenverbands BVI rund 15 Milliarden Euro in eingefrorenen Fonds dem Zugriff der Anleger in Deutschland entzogen - fast ein Fünftel des gesamten Vermögens in dieser Anlageart.

Mit der Pleite des »SEB ImmoInvest« erreichte die Krise nun einen neuen Höhepunkt. Seit zwei Jahren war dieser rund sechs Milliarden Euro schwere Fonds der SEB-Bank eingefroren. Als er nun aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen kurzzeitig geöffnet werden musste, stimmten die Anleger mit den Füßen ab: Zu viele wollten ihre Anteilsscheine zurückgeben. »Die Rückgabewünsche lagen sehr deutlich über den liquiden Mitteln. Da mussten wir nicht mit spitzem Bleistift rechnen«, sagte Fondsmanagerin Barbara Knoflach der Nachrichtenagentur Reuters. Der Fonds ist noch an 132 Immobilien in 64 Städten in 18 Ländern beteiligt. Die Beteiligungen, darunter mehrere am Potsdamer Platz in Berlin, sollen nun verkauft werden; der Fonds wird bis April 2017 liquidiert. Kurios: Im Langzeitvergleich über zwei Jahrzehnte erzielte der »SEB ImmoInvest« die höchste Rendite aller Offenen Immobilienfonds in der BVI-Statistik.

Nach dem SEB-Fonds legte auch der eingefrorene deutsche Immobilienfonds »CS Euroreal« sein Schicksal in die Hände seiner rund 200 000 Anleger. Vor gut einer Woche wurde der Fonds der schweizerischen Großbank Credit Suisse für die Rückgabe von Anteilen geöffnet. Bis zum kommenden Montag können Anleger Anträge einreichen. Nur wenn die vorhandene Liquidität, laut Credit Suisse immerhin rund 1,5 Milliarden Euro, ausreicht, um alle Rückgabewünsche zu erfüllen, hat der gut sechs Milliarden Euro schwere Fonds eine Zukunft. Wenn zu viele Anleger aussteigen wollen, wird auch dieser Fonds abgewickelt.

Wie viel Geld die Kleinsparer am Ende wiedersehen, ist offen. Denn Pleite-Fonds, die ihre Immobilien unter Druck verkaufen müssen, haben beim Preis keine Verhandlungsmacht. Doch die Probleme liegen tiefer: Den langfristigen Immobilienanlagen steht die kurzfristige Verfügbarkeit von Geldern entgegen - ein Konstruktionsfehler, wie Christoph Leichtweiß vom Beratungsunternehmen YPOS Consulting in Darmstadt findet. »Das Problem der Immobilienfonds ist hausgemacht. Schließlich wird eine Immobilie nicht dadurch liquider, dass man sie in eine täglich handelbare Verpackung steckt.« An den Beispielen SEB und CS zeige sich einmal mehr, wie wichtig es für Kleinanleger ist, sich genau anzusehen, in was man sein Geld investiert. Und sich nicht von einer hübschen Verpackung blenden zu lassen.

Lexikon

Offene Immobilienfonds sind Kapitalsammelstellen, die in Gewerbegebäude, Wohnhäuser und Grundstücke investieren. Offen bedeutet, dass Anleger Fondsanteile gewöhnlich jederzeit kaufen oder verkaufen können. Offene Immobilienfonds galten lange als vergleichsweise sichere Geldanlage. Anders als bei diesem Massenprodukt können sich Anleger an Geschlossenen Immobilienfonds nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt beteiligen, dann werde sie »geschlossen«. Es handelt sich um riskante unternehmerische Beteiligungen. hape

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