Von Walter Schmidt
21.05.2012

Bittere Konkurrenz für Siebenpunkt

Zur Blattlausbekämpfung importierte Asiatische Marienkäfer sind krankheitsresistenter als die heimische Konkurrenz

Der seit einigen Jahren in Europa massenhaft auftretende Asiatische Marienkäfer hat es in sich: Sein Blut macht ihn gegen Krankheitserreger robuster als die heimischen Marienkäfer. Blattläuse vertilgt auch er gerne, doch kann er den Wein vergällen, wenn er in den Most gerät.
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Der Siebenpunkt (Coccinella septempunctata) ist ein überaus nützliches Insekt, jedenfalls aus Sicht von Gärtnern und Bio-Bauern. Schon seine grau-orange gefärbte Larve vertilgt etwa vierhundert Blattläuse, bis sie sich nach einigen Wochen verpuppt, um ein richtiger Marienkäfer zu werden. Und der frisst sich weiter durchs Blattlaus-Heer.

Doch die Globalisierung macht auch vor der Insekten-Familie Coccinellidae nicht halt: Der weltweite Handel lässt auch Marienkäfer in die Ferne reisen. Das gilt in Mitteleuropa für den Asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis). Wissenschaftler des deutschen Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen in Dossenheim (Julius-Kühn-Institut - JKI) haben den Einwanderer genauer unter die Lupe genommen. Sie konnten feststellen, dass der Vielfarbige oder Harlekin-Marienkäfer (wie das Insekt auch genannt wird) Krankheitserregern wesentlich besser trotzt als der einheimische Siebenpunkt. Das Blut des Käfers, die so genannte Hämolymphe, wirkt bis zu 1000mal so stark gegen Bakterien und Pilze wie dasjenige des hierzulande vertrauten Glückssymbols. Damit überlebt der Asiatische Marienkäfer gerade als Larve eher als die einheimische Konkurrenz. Fressfeinden verdirbt er - wie andere Marienkäfer auch - durch sein bitteres Blut den Appetit.

Ob der eingeschleppte Marienkäfer heimische Verwandte verdrängen wird, bleibt abzuwarten; ihre Larven immerhin frisst er gerne. Offensichtlich vermehrt er sich auch rascher als der Siebenpunkt. Kennzeichnend für den Neuling ist das - je nach Blickrichtung - gut erkennbare »W« oder »M« auf dem Halsschild.

Das ursprünglich nur in Ostsibirien, China, Japan und Korea heimische Insekt wurde erstmals 1982 in Südfrankreich zur biologischen Bekämpfung von Blattläusen eingesetzt. Im Freien fand man es erstmals 2001 in Belgien, ein Jahr später in Deutschland und 2004 erstmals bei Basel, woraufhin es sich auch in der Schweiz nahezu flächendeckend verbreitet hat. Seither sammelt sich der Neuling mancherorts im Spätsommer und Herbst zu Hunderten an.

Mehr als lästig ist der Käfer für Winzer, da er sich in großer Zahl auf und zwischen den Weintrauben tummelt. Geraten dann Käfer bei der Lese mit in den Most, verderben sie den Geschmack des Weins. Schon zwei Käfer je Kilo Riesling-Trauben soll man schmecken können.

»Das Überleben der Käferlarven, also ihre Fähigkeit, Kinderkrankheiten zu überstehen, ist ein Schlüsselfaktor dafür, dass sich nicht heimische Käferarten in unseren Breiten etablieren können«, sagt Jürgen Gross, Leiter des Fachgebiets »Chemische Ökologie« beim JKI. Nicht nur das Käfer-Blut des Asiaten wirkt anti-mikrobiell; es umgibt ihn auch eine entsprechende Duftwolke. die das Wachstum von Bakterien und Pilzen hemmt. Diese chemischen Waffen erklären zumindest teilweise den Überlebensvorteil des Asiatischen Marienkäfers im Vergleich zu heimischen Arten.

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