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Von Velten Schäfer
21.05.2012

Weißer Ritter gesucht

Heiligendamm: Auch nach der Pleite des »Grand Hotels« geht nicht viel ohne Jagdfeld

Für das insolvente »G 8«-Hotel sollen erste Interessenten auftaucht sein. Doch nach bisheriger Lage müssten sich diese eng mit der »Fundus«-Gruppe absprechen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt derweil wegen Insolvenzverschleppung.

In der Wirtschaft spricht man von einem »weißen Ritter«, wenn in der Not jemand mit guten Absichten auftaucht. Nun will es scheinen, als könne die »weiße Stadt am Meer«, wie sich das Ostseebad Heiligendamm gerne nennt, auf die Ankunft eines Ritters hoffen. Jörg Zumbaum, seit März Insolvenzverwalter des Luxushotels, sprach dieser Tage in der »Ostseezeitung« von »seriösen« Kaufinteressenten. Spekulationen zufolge soll die »Starwood«-Gruppe interessiert sein, die unter anderem die »Sheraton«-Hotels betreibt. Ein Konzern mit über 300 000 Zimmern und Umsätzen in Milliardendimensionen.

Ein großer Bieter gilt in Heiligendamm als Hoffnung, schon wegen des Kundenstamms, den solche Konzerne mitbringen. Zuletzt war das Hotel nach dem Ausstieg der Kempinski-Gruppe vom Investor Anno August Jagdfeld selbst betrieben worden. »Der wichtigste Schritt für einen erfolgreichen Neuanfang ist die Überarbeitung des Hotelkonzeptes - ohne Familie Jagdfeld. Die Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, müssen korrigiert werden«, erklärten etwa Hannes Meyer und Heike Ohde, die Sprecher des Doberaner »Bürgerbundes«. Ohde ist auch das Gesicht von »Pro Heiligendamm«, der Jagdfeld-kritischen Bürgerinitiative.

Nicht unähnlich wie sie sehen viele der zuständigen Lokalpolitiker in Bad Doberan die Lage. Immer wieder war »Fundus«-Chef Anno August Jagdfeld mit der Stadtvertretung in Clinch geraten. Selbst die örtliche FDP fordert inzwischen eine Zukunft ohne Jagdfeld, gegen den inzwischen wegen Insolvenzverschleppung ermittelt wird. Empörte Anleger unterstellen ihm, die Pleite des 200-Millionen-Projekts einkalkuliert und beim teuren Ausbau seinen Schnitt längst gemacht zu haben. Im »Spiegel« wurde sogar spekuliert, Jagdfeld könnte das zuletzt immerhin profitabel betriebene Hotel dann billig aus seiner eigenen Konkursmasse kaufen. »Fundus« hat das inzwischen empört zurückgewiesen.

Ob es aber eine Zukunft ohne den Geldmann gibt, ist ungewiss. Zum Verkauf steht bisher nur das Hotel, das etwa zu drei Vierteln von privaten Anlegern im »Fundus«-Fonds 34 und zu einem Viertel vom Land finanziert wurde. Nicht zum Verkauf dagegen steht etwa die »Fundus«-Tochter »Entwicklungs Compagnie Heiligendamm« (ECH), die viel Baugrund und einen Großteil der Bäderimmobilien in der Ortschaft besitzt, darunter die berühmten Strandvillen der »Perlenkette«. Wer immer das Hotel betreiben will, muss sich mit der ECH auseinandersetzen; das Internet-Blog »Zeit am Meer«, das vielen vor Ort als eine Art Sprachrohr Jagdfelds gilt, setzt ein Ausrufezeichen hinter die Überschrift »Zusammenarbeit nötig!« Jagdfeld sei unverzichtbar, das »Kerosin in der Rakete«. Chancen, orakelt der anonyme Schreiber, habe in Heiligendamm nur , wer »die Vision Robert A. M. Sterns versteht«.

Diese »Vision« aber ist die, die den Ort seit Jahren entzweit. Nach dem Masterplan Jagdfelds sollte sich die ganze Ortschaft in einen Luxus-Themenpark verwandeln - unter weitgehendem Ausschluss von nicht im Hotel angestellten Einheimischen und Normal-Urlaubern aus der Umgebung. Dabei wurde nicht nur das Hotel baulich abgeschottet; auch in seinem Umfeld soll wenig dem Zufall überlassen bleiben; sogar den Charakter der Geschäfte und Dienstleister, die sich vor Ort in noch zu errichtenden Geschäftszentren einmal ansiedeln sollen, möchte die ECH bisher gern mitbestimmen: Planwirtschaft für Superreiche.

Das hat bisher nicht funktioniert. Während Jagdfeld - und der anonyme Blogger - klagen, die Stadtvertreter hätten durch Kleinlichkeit und bösen Willen bisher die Umsetzung des Konzepts blockiert, gilt gerade diese »Politik der Abschottung« den Lokalpolitikern als Teil des Problems und schädlich für den Ort und das Hotel. Für sie muss der Ort als Ganzes lebendiger werden. Sie plädieren dafür, den durchgehenden Küstenwanderweg wieder zu eröffnen und einen Weg vom Bahnhof zur Seebrücke zu bauen - über das Hotelgelände. So könne man dem Ort »einen Teil seines Charmes« zurückgeben, erklären Meyer und Ohde. Sie können nun hoffen, dass ein Investor neben dem Hotel auch das Umfeld, etwa die verfallende »Perlenkette« übernimmt; nur dann wäre Jagdfeld aus dem Spiel.

Welches Konzept indes eine Gruppe wie »Starwood« in Heiligendamm verfolgen könnte - und wie ansprechbar sie für Doberaner Lokalanliegen wäre - ist bislang völlig ungewiss.

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