Von Ruben Stark, SID
21.05.2012

Trauerzug statt »Party dahoam«

Sicherheitskräfte zogen »zufriedenstellende Bilanz«

Vor dem Spiel war die Stimmung ausgelassen. München platzte aus allen Nähten. Nach dem »Drama dahoam« verfielen die Fans des deutschen Rekordmeisters jedoch in Schockstarre: Was als große Party begann, wurde dann eher zu einem Trauerzug. Statt die Leopoldstraße zu fluten und die Nacht zum Tage zu machen, trotteten die Fans des FC Bayern niedergeschlagen nach Hause und mussten den Anhängern des FC Chelsea beim Jubeln zusehen.

Zumindest aber entlud sich der Frust nicht in übermäßiger Gewalt. Die Sicherheitskräfte zogen am Sonntagmittag eine »zufriedenstellende Bilanz«, wie Polizei-Vizepräsident Robert Kopp sagte. »Unser Konzept ist voll aufgegangen. Es war aber sehr, sehr viel Arbeit.« Gleichwohl wurden im Laufe des 22-stündigen Einsatzes 143 Personen in Gewahrsam genommen, allerdings überwiegend wegen leichterer Delikte.

65 000 Fans waren beim Public Viewing im Olympiastadion, 30 000 auf der Theresienwiese, über 10 000 im Münchner Stadtteil Schwabing sowie viele in überfüllten Biergärten und Kneipen. Rund 200 000 Fans bevölkerten die Innenstadt, darunter bis zu 23 000 Anhänger der Blues.

»Rappelvoll, wie sonst nur beim Oktoberfest« sei die Innenstadt gewesen, sagte Kopp. Nach dem Spiel strömten die Fans aus Schwabinger Lokalen auf die Leopoldstraße, die meisten jedoch, um völlig fassungslos den Heimweg anzutreten. Bis zu 30 000 schätzte die Polizei, um die 100 000 wären es bei einem Bayern-Sieg gewesen.

Größere Zusammenstöße mit Chelsea-Fans, die in der Nacht mit 30 Sonderflugzeugen von München nach London zurückflogen, gab es derweil nicht. Die Kooperation der deutschen Einsatzkräfte mit englischen Kollegen bewährte sich. Ohnehin sei »die ganz große Masse« friedlich gewesen und habe feiern wollen, sagte Kopp.

Für größere Verstimmung sorgte lediglich das Zünden von »Nebeltöpfen« sowie das Abbrennen von Pyrotechnik an den jeweiligen Schauplätzen. »Das ist eine Unsitte, die immer mehr einreißt«, betonte der Polizeivize: »Wir müssen daran arbeiten, die Leute zu überzeugen, dass sie das sein lassen. Das ist ein gefährlicher Irrsinn.«