Von Marcus Meier, Bochum
22.05.2012

Bochums Opelaner zittern um die Jobs

Belegschaft gibt sich kämpferisch, Landespolitik sagt Rückendeckung zu

Das Opel-Management verweigert weiter eine klare Aussage zur Zukunft des Standortes Bochum. Die Belegschaft befürchtet eine Schließung nebst Abbau von über 4000 Arbeitsplätzen – und signalisierte am Montag auf der Belegschaftsversammlung Kampfbereitschaft.

Vor dem Opel-Werkstor 4 an der Wittener Straße drängen sich Kamerateams, Journalisten - und die im Ruhrpott bei solchen Gelegenheiten unvermeidliche »Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands« (MLPD), die Transparente, ein Megafon und sämtliche Vorfeldorganisationen mitgebracht hat. Von der Belegschaftsversammlung der Bochumer Opelaner dringen vereinzelt Satzfetzen nach draußen: »Wir wollen wissen, was wir hier in Bochum nach 2014 bauen«, wettert ein Betriebsrat. »Sagt uns endlich, was abgeht, gebt uns eine klare Stellungnahme«, fordert er vom Opel-Management. Vergeblich.

Die Hängepartie um Bochum geht weiter. Opel-Boss Karl-Friedrich Stracke lässt die Belegschaft weiter im Unklaren: »Es gibt keine Entscheidung zu Bochum nach 2014.« Die fälle der Aufsichtsrat erst am 28. Juni, verkündet Stracke vor den Bochumer Opelanern. 2014 - bis dahin sind betriebsbedingte Kündigungen durch einen Standortsicherungsvertrag ausgeschlossen. Doch Ende 2013 wird in Bochum die Getriebeproduktion eingestellt. Der »Astra« wird künftig in England und Polen hergestellt. Nun befürchtet die Belegschaft, auch der »Zafira«-Produktion verlustig zu gehen. Dann wäre in Bochum Schicht im Schacht.

Genährt werden die Gerüchte durch einen Rüsselsheimer Kollegen, der auf der Belegschaftsversammlung spricht: In seinem Werk gingen alle davon aus, dass der »Zafira« komme. Stracke bestreitet das. Vielmehr wolle er mit den Bochumern weitere Einsparungen aushandeln. Das Ziel: in die Gewinnzone kommen.

Die Opelaner schweigen Stracke eisig und eisern an. »Das ist die Höchststrafe für Sie«, sagt Betriebsratsboss Rainer Einenkel in Richtung des Managers; in Rüsselsheim sei er wenigstens ausgebuht worden. Der Gewerkschafter betont die Kampfbereitschaft der Bochumer. »Wir zahlen keinen Cent für unsere Beerdigung«, erteilt er weiteren Zugeständnissen eine Absage. Einenkel fordert einen Unternehmensplan, der allen Werken eine Perspektive gebe.

Vor Tor 4 hält Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) eine improvisierte Pressekonferenz ab. Sie hebt die Vorzüge des Standorts Bochum hervor, die hervorragende Qualität, die hohe Kosten kompensiere. Die Ministerpräsidenten der vier Bundesländer mit Opel-Werken stünden »gemeinsam hinter allen deutschen Opel-Standorten«, sagt Kraft. Die Länder würden Opel in Verhandlungen mit dem US-Mutterkonzern Generals Motors (GM) unterstützen. Kraft fordert ein Ende der Ungewissheit: »Wir wollen, dass das Totenglöckchen begraben wird.«

»Ich weiß noch genau, wie Kraft vor vier Jahren mit ihrem roten Schal bei Nokia aufmarschiert ist. Zwei Wochen später war das Werk dicht«, sagt einer der MLPDler. Seine Partei fordert »Internationale Arbeitereinheit«: Gemeinsam sei man stärker als General Motors.

Eine Schließung des Opel-Werkes wäre für Bochum fatal. Das 1962 gegründete Werk beschäftigt derzeit 3300 Mitarbeiter und indirekt 500 Menschen in Partnerfirmen. Zu letzteren zählt auch ein ausgegliedertes Ersatzteillager, in dem ehemalige Opelaner zu schlechteren Konditionen als zuvor arbeiten. Industrienahe Dienstleistungen sichern 1000 externe Arbeitsplätze. Allein zwischen Mitte 2010 und Ende 2011 wurden 1400 Stellen gestrichen. Hart leidet die Stadt auch noch immer unter der Schließung des Nokia-Werkes - 4500 Arbeitsplätze gingen 2008 durch die Verlagerung der Produktion nach Rumänien verloren.

Und nun Opel? Vor dem Tor 4 rühmt sich die MLPD, eine »Streikkasse« aufzubauen. »Wir haben schon hundert Euro gesammelt«, tönt es über das Megafon. Doch nach der Versammlung eilen die Opel-Kollegen mehrheitlich an ihre Maschinen zurück.

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