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22.05.2012

Hilfe zur Selbsthilfe à la Obama

Kommentar von Martin Ling

Es nicht die erste G8-Initiative für Afrika und es wird nicht die letzte sein: Gastgeber Barack Obama ließ es sich in Camp David nicht nehmen, sich zum Vorkämpfer gegen die globale Armut zu stilisieren. Mit der Neuen Allianz für Ernährungssicherheit und Ernährung will der USA-Präsident den Hunger bekämpfen. Fast eine Milliarde Menschen haben Tag für Tag nicht genug zu essen - ein Skandal ohnegleichen, denn an ausreichend Nahrungsmitteln fehlt es nicht, wohl aber an Einkommen für die Ärmsten, sie sich zu kaufen.

Den Stein der Weisen hat Obama mit diesem Vorstoß sicher nicht gefunden. Es handelt sich vielmehr um die Fortsetzung der L'Aquila-Initiative des G8-Gipfels von 2009 mit gewissen Akzentverschiebungen. Der Gewichtigste: Mehr denn je geht es darum, in- und ausländische Privatinvestitionen zu stimulieren. Dagegen ist nicht grundsätzlich in jedem Falle etwas einzuwenden. Doch eine solche Ausrichtung wird spätestens dann fragwürdig, wenn sie damit einhergeht, dass sich der öffentliche Sektor in der Entwicklungszusammenarbeit zum Zwecke der Mitteleinsparung mehr und mehr aus der Verantwortung stiehlt. In L'Aquila wurde versprochen, 2010 bis 2012 insgesamt 22 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen. Geflossen ist davon nur ein Bruchteil - nach Schätzungen der Welthungerhilfe etwa 20 bis 30 Prozent.

Eine solche Ausrichtung wird noch fragwürdiger, wenn sich unter den privaten Partnern Konzerne wie der US-amerikanische Saatgutriese Monsanto oder der Schweizer Pflanzenschutzmittelhersteller Syngenta befinden. Unternehmen, die Hungerbekämpfung bestenfalls als profitables Geschäft betreiben. Der in der Initiative hoch gehaltene Leitsatz »Hilfe zur Selbsthilfe« verkommt so zur Wirtschaftsförderung. So wird das G8-Vorhaben, bis 2022 mindestens 50 Millionen Afrikaner aus der Armut zu befreien, nicht zu erreichen sein.

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