Von Wilfried Neiße
23.05.2012

Wasserbüffel und Mais-Monokultur

Brandenburgs durchwachsene Bilanz in Sachen Naturschutz

Die Vorsitzende des Naturschutzbeirates Brandenburg, Vera Luthardt, hat vor der zunehmenden Verwendung von Chemie in der Landwirtschaft gewarnt. Sorge bereite vor allem der Einsatz von Pestiziden beim Maisanbau. Umweltministerin Anita Tack (LINKE) zog dieser Tage anlässlich des Jubiläums der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in der EU Bilanz.

Vor 20 Jahren wurde die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) in der Europäischen Union geltendes Recht. Sie hat auch in Brandenburg »den Naturschutz stärker in die Köpfe gebracht«, stellte Umweltministerin Anita Tack (LINKE) aus diesem Anlass fest.

Als »Lebenswelt für Tiere und Pflanzen« könnte man das europäische Gebot übersetzen, und umgesetzt hat Brandenburg dies in 620 ausgewiesenen FFH-Gebieten und 27 Vogelschutzgebieten mit einer Gesamtgröße von 700 000 Hektar. Die Hälfte dieser Gebiete liegt in schon zuvor ausgewiesenen Natur- oder Landschaftsschutzgebieten Brandenburgs, der Rest außerhalb. Die außerhalb bisheriger Schutzzonen festgesetzten FFH-Gebiete werden nun auch langfristig einen Naturschutzstatus erhalten, heißt es. Die EU hat das Ziel verfolgt, den Artenrückgang bei Pflanzen und Tieren zu stoppen.

Großflächige Vergiftungen

Dieses Ziel sei auch in Brandenburg noch nicht erreicht, bedauerte Umweltministerin Tack. Doch gebe es verschiedene Initiativen. Sie erwähnte die Ansiedlung des Wasserbüffels in niederschlagsreichen und sumpfigen Gegenden.

Was hat ein Tier, das doch eigentlich nach Südostasien gehört, hier im Brandenburgischen zu suchen? »Auch die Kartoffel ist vor einigen hundert Jahren neu hinzugekommen«, erklärte dazu die Vorsitzende des Umweltbeirates, Frau Professor Vera Luthardt von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Wie übrigens auch die Tomate, die Paprika und die Gladiole. Wenn es »dem Wohle der menschlichen Gesellschaft« diene, müssten auch neue Wege beschritten werden. Wasserbüffel könnten im Moor zur Wertschöpfung beitragen.

Eindringlich warnte die Fachfrau vor einem immer stärkeren Einsatz von chemischen Insektenvernichtungsmitteln in der märkischen Landwirtschaft. Diese Mittel gelangen über den Regen ins Grundwasser und in Flüsse und bewirken dort Vergiftungen, die 30 oder 50 Jahre lang wirken. Luthardt sprach sich ebenfalls dafür aus, das Land nicht mit der weiteren Genehmigung von »überdimensionierten« Biogasanlagen zu überfordern. Der dafür benötigte Mais dürfe nicht ununterbrochen angebaut werden, um die Böden nicht nachhaltig auszulaugen. Inzwischen sei auf zirka 20 000 Hektar schon fünf Jahre lang hintereinander Mais angebaut worden. Weil eine solche Monokultur bestimmte schädliche Insekten begünstige und die Bauern dann zur chemischen Keule greifen, sei das ein Problem.

»Die Gefahr ist da, keine Frage«, bestätigte Umweltministerin Tack. Gesetzliche Vorschriften, die eine Fruchtfolge festlegen, können den Bauern nicht gemacht werden. Es bleibe bloß übrig, Gespräche zu führen und an die Vernunft zu appellieren.

Nur zehn Prozent der Tier- und Pflanzenarten in Brandenburg seien wirklich in einem guten, stabilen Zustand, warnte Luthardt. Vor allem den Amphibien gehe es schlecht, weil die Zahl der Feuchtwiesen in der Vergangenheit stark abgenommen habe. Auf der anderen Seite verkündete Ministerin Tack, dass inzwischen wieder »ein starker Anstieg des Grundwassers« zu beobachten sei. Ein wichtiger Grund ist, dass der Braunkohleabbau sich verringert habe und damit auch das Abpumpen des Wassers. Einst war der Grundwasserspiegel innerhalb von 100 Jahren um durchschnittlich einen Meter gesunken.

Weniger Fördergelder

Die Tatsache, dass in vielen Regionen Brandenburgs das Regenwasser lange Zeit nicht abgeflossen ist, hängt laut Umweltministerin mit dem Anstieg des Grundwassers zusammen, weniger mit der gelegentlich beklagten Vernachlässigung von Graben- und Abwassersystemen.

In der kommenden EU-Förderperiode der Jahre 2014 bis 2020 müsste es noch besser gelingen, durch kluge Kompromisse die Interessen von Landwirtschaft, Energiewirtschaft, und Umweltschutz in Übereinstimmung zu bringen, sagte Tack. Mit Blick auf zurückgehende Fördersummen »stehen dafür die Chancen aber nicht so günstig«.

Zonen im Odertal

Die naturgeschützten Areale im brandenburgischen Nationalpark »Unteres Odertal« sollen weiter wachsen. Die Gebiete der sogenannten »Schutzzone I« machen derzeit knapp über die Hälfte des 10 500 Hektar großen Gebietes aus. In einem neuen Entwurf ist eine Zunahme der streng geschützten Wildnisbereiche vorgesehen. In dem Konzept soll es auch um das Grünlandmanagement für die Flächen der »Schutzzone II« gehen, die teilweise landwirtschaftlich genutzt werden dürfen. Der Plan soll klären, wann ein Bereich landwirtschaftlich genutzt werden darf und wann er für die Vogelbrut geschützt werden muss. In der Vergangenheit hatte es zwischen Landwirten und dem Verein der Freunde des Deutsch-polnischen Europa-Nationalparks »Unteres Odertal« heftige Auseinandersetzungen um die Flächennutzung im Parkgebiet gegeben. (dpa)

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