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Von Hans-Dieter Schütt
23.05.2012

»Alles, nur nicht hoch hinaus«

Heute wird der Kabarettist Dieter Hildebrandt 85 Jahre alt

Er ist schon ein Leben lang Verfassungs-Schützer. Wahrer Verfassungs-Schutz ist Denkmalschutz geworden.

Der 1937 in Schlesien Geborene gründete mit Samy Drechsel die Münchner Lach- und Schießgesellschaft und wurde zum Meister der zielsicheren Beiläufigkeit, der präzisen Andeutung. Hildebrandt ist noch immer einer, der die zittrige Furcht mitspielt, von einem bösen wahren Gedanken überkommen zu werden. Er ist scheu. Der Schüchterne ist der Gefährlichste: Sein Mut ist weiblich - es ist die Demut, die ihn weich hält, wo gehärtet werden soll; es ist die Sanftmut, wo gehobelt wird. Hildebrandt ist Botschafter der Späne.

Mitunter scheint es, er wehre sich gegen den Witz, gegen die Pointe. Er stottert, stolpert uns entgegen, als wäre es ihm lieber, wir selber kämen auf die Wahrheit und sprächen sie noch vor ihm, statt seiner aus. Er ist geradezu zuvorkommend: Er wünscht sich, wir kämen ihm zuvor. Er ist somit der verhinderte Geburtshelfer einer Bürgercourage, die sich dann doch lieber begnügt, ins Kabarett zu gehen, statt selber aufs Ganze.

Diese (gespielte) Unsicherheit, diese List des Zögerlichen, die alle Töne kennt außer dem Brustton, darf man wohl getrost auf eine Generation hochrechnen: Man nannte sie, die aus dem Krieg heimkamen, die auf den Zynismus der Schwarzmarktgesellschaft trafen und sich ihr Studium zusammenjobbten, die »skeptische Generation«. Misstrauisch nicht nur den Eltern gegenüber und den großen Ideen, sondern zweifelnd auch an sich selber. Weit entfernt von jener Selbstgewissheit künftiger Jüngerer. Hildebrandt: »Mich ließ der Gedanke nicht los, ich hätte, ohne mich zu wundern, ein überzeugter NS-Bonze in den Ostgebieten werden können; oder Referent für deutsches Liedgut in der schlesischen Gauleitung. Seither weiß ich: Alle Wege sind gangbar, nur wo ein Weg nach oben winkt: Vorsicht!«

Er kommt aus Zeiten, da Kabarett offen parteiisch war; Erkenntnis und Bekenntnis mussten einander noch nicht aus dem Weg gehen: Die Lach- und Schießgesellschaft kämpfte gegen Wiederbewaffnung, gegen Altnazis als Neodemokraten, sie kämpfte gegen Adenauer, für Brandt. Ganz eindeutig. Eines Tages war es erreicht. Eines weiteren Tages reichte es: Auch die SPD war CDU geworden.

Fast 20 Jahre hielt die Münchner Truppe zusammen, dann produzierte Hildebrandt für das ZDF »Notizen aus der Provinz«. Ihnen folgte der ARD-»Scheibenwischer«. Dazwischen kabarettistische Jahre mit Werner Schneyder. Zwei von der Zankstelle. Das seltsame Paar. Zwei ziemlich gute Freunde.

Irgendwann war Schluss mit dem »Scheibenwischer«. Pioniere haben alle das gleiche Schicksal: Plötzlich behandelt man sie, die doch Steine wegräumten, wie Steine im Weg. Hildebrandt war Stein im Glashaus. Er warf sich hinein. Aber er warf sich nie weg.

Er hat Bücher geschrieben (»Was bleibt mir übrig«, »Denkzettel«, »Gedächtnis auf Rädern«) - um zu lesen. Die Leviten. Er hält sich nicht raus, um zu sagen, er stünde über den Dingen. Er fährt gern weiter aus der Haut, so erfährt man, was draußen los ist. Er reist durchs Land, als Fremdenführer. Denn der bürgerliche Staat ist nicht mehr wiederzuerkennen; Bildung etwa, als Vermögen, ist weniger wert als Vermögensbildung, und das Fingerspitzengefühl der Demokratie zog sich in die Ellenbogen zurück.

Am liebsten träumt er von Venedig: Erhabenes und Dreckiges zugleich. Ihm liegt, um den Titel eines seiner Bücher zu zitieren, an heilsamer Zukunft: »Nie wieder achtzig!«

Heute wird der große Dieter Hildebrandt 85 Jahre alt.

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