24.05.2012

Zwei für den dritten Weg

Weibliche Doppelspitze will die LINKE führen / Bartsch hält trotz Kritik an Kandidatur fest

Wird es einen dritten Weg für die künftige Bundesspitze der Linkspartei geben? Mit Katja Kipping und Katharina Schwabedissen haben sich am Mittwoch zwei Kandidatinnen der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach dem Rückzug Oskar Lafontaines aus der Kandidatenriege wächst zugleich der Druck auf Dietmar Bartsch.
Teamarbeit sei ihnen das Wichtigste, betonten die Vizevorsitzende der LINKEN Katja Kipping und die NRW-Landesvorsitzende Katharina Schwabedissen gestern auf einer Pressekonferenz in Hannover. Da hatten sie sich soeben als Kandidatinnen einer gemeinsamen Parteispitze geoutet. »Wir wollen die Partei zusammenführen«, sagte Katharina Schwabedissen angesichts der Auseinandersetzungen in den vergangenen Wochen, die Oskar Lafontaine zum Rückzug bewogen hatten. Die 39-Jährige hob hervor, die Verluste bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und NRW seien kein Grund zum Resignieren, im Gegenteil: Es sei kennzeichnend für die Partei, dass sie stets nach der Devise lebe: »Immer wieder aufstehen.«

Die Entscheidung über ihre gemeinsame Kandidatur sei vor zwei Tagen gefallen, so Schwabedissen. Die beiden Frauen verbinde der Wunsch, alle Genossinnen und Genossen in die politische Arbeit einzubinden. »Wir wollen nicht die Zwei sein, die alles regeln.« Auf die Frage, wen sie sich als weitere Vorstandsmitglieder wünschen, nannten die Kandidatinnen keine Namen, verwiesen erneut auf die Bedeutung der »Teamarbeit mit allen«.

»Unsere gemeinsame Kandidatur soll ein Signal in Richtung Aufbruch zu einer neuen LINKEN sein«, beschrieb Katja Kipping das Ziel der angestrebten Doppelspitze. Die 34-Jährige hob hervor: »Wir wollen traditionelle linke Werte auf das 21. Jahrhundert anwenden.« Sozialismus sei nicht nur eine Frage der Inhalte, sondern auch der Methoden, durch die er realisiert wird. Für die Kandidatinnen heiße dies: Offen und demokratisch agieren.

In Flügel lasse man sich nicht einordnen, betonte Schwabedissen. »Die Polarisierung droht mittlerweile die Partei zu zerreißen«, heißt es in einem Aufruf, der in Berlin parallel zur Pressekonferenz in Hannover verbreitet wurde, auf der sich mit den beiden Frauen weitere Vertreter des »dritten Weges« als Kandidaten für den künftigen Vorstand vorstellten. Unter ihnen ist die Bundesgeschäftsführerin Caren Lay, der Bundestagsabgeordnete Jan van Aken und sein Brandenburger Fraktionskollege Thomas Nord. Es gehe darum, »gemeinsam einen neuen Aufbruch der LINKEN zu wagen«, heißt es im Aufruf. Caren Lay äußerte die Hoffnung, dass die innerparteilichen Konfrontationen bald der Vergangenheit angehören, denn: Jetzt sei »die Stunde derer gekommen, die aufeinander zugehen«. Es gehe darum, eine neue Führungskultur zu verwirklichen.

Fraktionschef Gregor Gysi unterstützte den Vorstoß, fügte aber hinzu: »Die Aufgabe der Zusammenführung unterschiedlicher, aber wichtiger Teile der Partei bleibt.« Am Vortag hatte der saarländische Fraktionschef der LINKEN, Oskar Lafontaine, bekannt gegeben, nicht mehr als Vorsitzender auf dem Göttinger Parteitag Anfang Juni kandidieren zu wollen. Parteichef Klaus Ernst warf den Anhängern von Dietmar Bartsch, der seine Kandidatur bereits vor einem halben Jahr angemeldet hatte, daraufhin vor, den Rückzug Lafontaines mit unfairen Mitteln herbeigeführt und damit den weiteren Niedergang der Partei verursacht zu haben. Seither wächst der Druck auf den Bundestags-Fraktionsvize, ebenfalls von der Kandidatur zurückzutreten. So sagte der Lafontaine-Vertraute und Parteibildungsbeauftragte Ulrich Maurer am Mittwochmorgen in der ARD: »Ich glaube, es ist an der Zeit, wenn die LINKE überhaupt noch eine Chance haben will, dass sie jünger wird, dass sie weiblich wird und dass die Böcke sich vom Acker machen«. Auch die frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Yvonne Ploetz, forderte Bartsch auf, von seiner Kandidatur zurückzutreten. Dieser hatte am Vorabend auf einer Regionalkonferenz in Berlin allerdings unterstrichen, dass er seine Kandidatur aufrecht erhalte.

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