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Von Volkmar Draeger
25.05.2012

Leuchtende Farbsinfonien

In der Galleria Nove wünscht Nicolantonio Mucciaccia »Good luck world«

Man weiß nicht recht, wie man ihn orten soll, den Nicolantonio Mucciaccia, den gerade eine Einzelausstellung in der Galleria Nove präsentiert. Ein halbes Hundert neuerer Werke zeigt er dort, Malerei, Collage, Plastik, Installation, unter dem Titel »Good luck world«. Experimentiert er mit Farbe und Form oder schockt er »nur« durch seine explosiven Großformate und hat damit eine Marktlücke gefunden? Oder sind diese riesenhaften Aufwallungen auf rechtens »Häute« genannten, lose hängenden, selten auf Rahmen gezogenen Leinwände doch Widerspiegelungen spiritueller Gesichte, Emanationen einer hypersensiblen Seele, eines religiös gebundenen Mannes?

Immerhin liest man, dass Mucciaccia, 1975 in Rom geboren, schon im zarten Kindesalter »Offenbarungen der menschlichen Seele« gezeichnet und damit Preise gewonnen hat. Später folgten mystische Erfahrungen von blockierender Wirkung, ehe er sich ganz der Malerei verschrieb: als Kopist alter Meister ebenso wie im »freien Ausdruck seines Innenlebens«. Zu jener letzteren Kategorie dürfte zählen, was Nove ausstellt.

Das sind zum einen gewellte, durchaus auch geknickte, in wahrem Rausch geschaffene Hoch- oder Querformate, die beinah beweglich jeweils eine ganze Wand füllen und schauenden Abstand brauchen, um ihre Wirkung zu entfalten. In fluoreszierendem Lack sind sie ausgeführt, der dick wie mit einem Spachtel aufgetragen ist und bisweilen aufplatzt. Darunter finden sich auch verschiedenste kleinere Objekte, die somit Teil einer Farbinszenierung werden. Zwar tragen einige der Werke konkrete Titel, deren Inhalt sich indes erst auf den zweiten Blick erschließt und dennoch bloße Ideengebung für eigene Interpretation bleibt. So erkennt man auf »Teufelsgabel« wirklich jenen Mehrzack des Beelzebubs, aber nur verzerrt und andeutungsweise unter glänzenden Schichten gelbgrüner Farbe, die zudem in ausgetropften Strähnen erstarrt ist. Bedrohlich rotglühend, wer hätte das erwartet, gibt sich »Wassersehnsucht«. Auch auf »Nördliche Morgenröte, du genügst mir nicht und explodierst…« toben sich Farben aus. Was auf all diese Arbeiten mit fluoreszierendem Lack zutrifft, findet sich auch bei »Himmelfahrt«, mit zwei übermalten aufstrebenden, ganz ausgebreiteten Vogelschwingen: Bei verschiedener Beleuchtung ändert sich der Farbwert, hier von flammendem, blau und schwarz kontrastiertem Rot hin zu überraschenden Wechseln. Freilich spielt in diesem Monumentalwerk ebenso die religiöse Deutung der auffliegenden Taube mit.

Andere Exponate verwenden Stoff, Metall, Babypuppen als Teile der Gesamtkomposition. Was Mucciaccia mit seinen spirituellen Eingebungen meinen könnte, dafür stehen mehrere Skulpturen von bizarrem Ausmaß. Eine hängt an der Wand und besteht aus einem transparenten Gewirr überwiegend schwarz lackierter Streben, zwischen die sich Fundstücke gequetscht haben: Gesichter und Masken, Totenkopf und zähnefletschendes Ungeheuer, Krokodile, Marsmännchen, Stierhörner, Barbiepuppe, Metallwinkel - ein monströser futuristischer Alptraum zur Erinnerung an vergangene Zeiten. Ähnlich ungebärdig gibt sich »Der Affenfötus, der die Welt regiert«. Auf silbernem Postament sitzt er vielarmig, in jeder Hand eine grüne Kugel haltend, mit gewaltigem Genital und Auswüchsen wie ein radikal gestutzter Baum. Wenig Hoffnung auch in Mucciaccias »Falling in love«. Aus einer Leinwand in Ocker- und Rostschlieren wächst ein enormes geweihartiges Gebilde, dessen einer Teil bereits zu Boden gefallen und zerborsten ist, wie eben eine Liebe zu Bruch gehen kann. Dieses offenbare Ende einer Beziehung macht so viel Angst, dass man einen Neuanfang nicht denken mag.

Doch Mucciaccia kann auch Freundlicheres entdecken. Sein von durchbrochenem Farbgestrüpp überzogenes »Fahrrad« erinnert an Dornröschens Zauberwald; »Rh ologramm des Teufels« in Grün ist verborgenes, da verschwommenes Brustbild mit enormen Ohren und geht auch als intensive Farbsinfonie durch. Fast gegenständlich und zupackend erotisch wird der Maler, wenn er mit grellsten Leuchtfarben umgeht oder Nummernschild, Haar, Parfümflasche auf grober Textur collagiert. Zweimal stehen Vögel im Zentrum eines Bildes. Dort aber, wo Mucciaccia farbig maßvoll arbeitet, in drei kleineren Arbeiten, eine von ihnen auf Sperrholz, und wo er Effekt einzig aus einer Struktur der zerplatzten Bläschen bezieht, mag er ganz bei sich sein und überzeugt entsprechend.

Bis 26.5., Di-Sa 11-18 Uhr, Galleria Nove, Anna-Louisa-Karsch-Str. 9, Mitte, Telefon: 24 78 16 36, www.galleria9-berlin.com

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