Von Klaus Teßmann
25.05.2012

Nur Musik machen

Ein junger Mann fand bei Marzahner Initiative im Haus »Pro Social« Unterstützung

Robin Schaarschmidt geht es so wie über 20 000 Berliner Jugendlichen. Doch er ist voller Hoffnung, dass es mit einer Kariere im Musikgeschäft klappen wird. Denn der Sänger seiner Band hatte ihn zu einer Internationalen Jugendbegegnung bei der Marzahner Jugendinitiative mitgenommen. Die Jugendlichen waren begeistert von seiner Musik und nahmen ihn mit zu seinem ersten großen Auftritt beim Weinfest in der polnischen Partnerstadt Tychy.

Durch diese Begegnung wiederum kam die Idee für einen Song über das Haus »Pro Social« am Blumberger Damm 12/14. »Das Treffen mit vielen Jugendlichen aus anderen Ländern, die Möglichkeiten mit der Jugendinitiative zu arbeiten, haben mich inspiriert«, sagte Robin. Mit Jugendlichen aus der Marzahn, der Ukraine und Polen entstand ein Video, das auch im Internet zu sehen ist.

In der Sprache der jungen Leute im Punk und Hip Hop erzählt Robin die Geschichten aus seinem Leben. Damit ist er immer wieder bei youtube.com zu hören, so wie mit seinem ersten großen Erfolg: »Weißt du, wie es ist?« Der Backgroundchor ist international, denn die Jugendlichen singen in Deutsch, Polnisch und Russisch.

Das Leben von Robin verlief nicht alltäglich. Wenige Monate vor der Wende wurde er 1988 in Mitte geboren. »Meine Eltern sind noch mit mir als Säugling über die Mauer abgehauen«, erzählt Robin, »wenige Wochen später fiel sie dann.« Im Süden Deutschlands wollten die Eltern ihr Leben in Freiheit genießen. Doch das klappte nicht so richtig, sie fanden keinen Job.

Also kamen sie zurück nach Berlin. Dann kam die Trennung der Eltern. Robin blieb bei seinem Vater in Kreuzberg. Der schickte ihn nicht in den Kindergarten, sondern nahm ihn mit in die Autowerkstatt. »Von heute auf morgen hatte mein Vater dann entschieden, nach Amerika auszuwandern«, erzählt Robin. Er verkaufte alle Autos und die beiden machten sich auf den Weg. Doch bald zeigte sich, dass die Möglichkeiten sehr begrenzt sind. Ohne Aufenthaltsgenehmigung bekam der Vater keine Arbeit und Robin bekam keinen Platz in einer Schule.

Robin war schon sieben Jahre alt, als der Vater wieder nach Berlin zurückkam. Hier gab es Ärger mit den Behörden, denn Robin hätte schon zur Schule gehen müssen. »Mit einem halben Jahr Verspätung bin ich dann in Kreuzberg zur Schule gekommen.« Die Eltern rauften sich wieder zusammen, und so zogen Vater und Sohn zur Mutter nach Marzahn. Das Lernen fiel ihm nicht schwer, das Gymnasium war eigentlich eine Formsache.

»Mit 15 Jahren haben ich angefangen, Musik zu machen.« Auf dem Marzahner Siemensgymnasium gründete er mit 15 Jahren seine erste Band. In der elften Klasse brach Robin die Schule ab. »Ich wollte nur noch Musik machen.« Er fing ein Praktikum bei einem Jugendklub in Wartenberg an und wollte Tontechniker werden. Doch die Pläne scheiterten nach einem schweren Verkehrsunfall.

Danach hat Robin nur noch Musik mit jungen Bands gemacht. Er komponierte, schrieb und nahm auf. In der Sprache der Musik setzt sich Robin mit seinem Schicksal auseinander, erzählt von den sozialen Konflikten und den Begegnungen mit Jugendlichen aus anderen Ländern. Die Arbeit mit der Marzahner Jugendinitiative im Haus »Pro Social« hat Robin in seinem Lebensziel bestärkt - er will nur Musik machen.