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Von Lucía Tirado
26.05.2012

Als »Rest-Körper« seines Euro

»Der Anfang bricht das Schweigen, das Ende das Genick« im Ballhaus Ost

Euro hier, Euro da. Kaum möglich, sich diesem Krisenstellvertreterthema zu entziehen. Selbst im Theater kommt man nicht mehr drumherum. Noch gar nicht so lange her, da war das dokumentarische Theaterstück »(IM)POTENCIA« über das Leben in Argentinien während der Krise exotisch. Inzwischen setzen immer mehr Theatermacher aufs »Geld-Spiel«. Mit Marx und Maus in einer Revue oder mit Gertrude Stein, die von Marx bis zu den Mäusen für Kinder die Sache auseinander klamüsiert.

Neu ist im Ballhaus Ost eine Art Ich-und-der Euro-Analyse von und mit Beate Absalon, Andreas Dzialocha, Roman Hagenbrock, Sebastian Köthe und Ritsche Koch. Schauspieler, mediale Künstler, Musiker vereinten sich hier für die intermediale Theaterperformance »Der Anfang bricht das Schweigen, das Ende das Genick« als Tagtoolkollektiv Berlin.

Das Tagtool erklären sie als »Live-Painting-Animationsgerät, das sein Spiel in einer Ästhetik zwischen figürlichen und abstrakten Motiven entwickelt, indem Gemaltes auf Wände projiziert und direkt animiert wird«. Wissenswert, was sie vorhaben. Schließlich sind die Künstler damit zum ersten Mal auf einer Theaterbühne.

Im Ballhaus Ost durchmisst dafür diagonal eine Leinwand einen Teil des Theaterraumes. Vor und hinter dieser Leinwand spielen Absalon und Hagenbrock. Hinter den Zuschauern sitzen die anderen am Tagtool. Mal beim Publikum, mal bei den Schauspielern arbeitet Koch mit Trompete. Schrill, gequetscht sind die Töne. Das Thema ist spröde. Die Musik als Begleiter will das auch sein, selbst wenn es ums Gefühl geht. Das ist ja nur ein Euro-Gefühl.

Das Schweigen ist schnell gebrochen. Hastig wird versichert, das die Sache hier nicht anti-kapitalistisch gemeint sei. Das muss man sagen. Man weiß ja nicht, wer alles da ist. Nachher versteht einer etwas falsch. Dennoch taucht gleich die Frage auf, ob man einfach nur zu schwach sei, die Welt ändern zu helfen oder ob es in dieser Gesellschaft unmöglich ist. Vom Fatalismus sind die Theaterperformer noch entfernt.

Den Handelnden ist es bisher nicht schlecht ergangen. Sie kommen aus gutem Hause, hatten immer Geld. Privilegierte also. Muss man da ein schlechtes Gewissen haben, weil andere weniger oder nichts haben? Von hier aus geht es mit Reflexionen über Besitz und Ideen zu solidarischem Handeln weiter, um Kunst-Kauf und -Verkauf und das Geld von Henry Ford, mit dem man die ganze Kunst der Welt erwerben könnte.

Die Frage, ob man eigentlich alles bezahlen kann, stellt sich. Kann man zufriedenstellend der Natur zurückgeben, was man ihr nahm? Kausalketten schmücken den Text. Es kommt zur Sprache, was man alles will oder besitzt und eigentlich nicht bräuchte. Hergeben will man es aber nicht. »Ein Euro, das sagt mehr als tausend Worte. Ein Euro, das sagt gar nichts.« Man ist dem Geld ausgeliefert, wenn man sich gut fühlen will. Schuldgefühle hin, Schuldgefühle her. Da ist er, der Genickbruch. Man liefert sich selbst aus.

Dennoch reduziert sich ohne Kitsch die Aussage nach 90 Minuten auf das Wesentliche. Sie und er können sich gegenseitig viel geben, ohne sich als »Rest-Körper« ihres Euro zu fühlen. Sie liegen zusammen. Da kann man den Euro getrost mal links liegen lassen. Die Live-Painting-Animation erschließt sich. Gezeichnetes entsteht zum Gesprochenen, bewegt sich anschließend, verbindet sich, trennt sich wieder. Es wird nur soweit genutzt wie nötig. Mitunter entstehen spartanische Bilder. So gelang der multimediale Bühnenversuch. Allerdings - wie angebracht - mit der Unterordnung von Musik und Zeichnung.

Auch die Zuschauer müssen Luxus entbehren. Ein Kissen liegt für jeden am Boden. Meine Güte. Das Theaterleben kann so hart sein. Da muss man sehen, dass man mit dem Rücken an die Wand kommt.

27.5., 20 Uhr, Ballhaus Ost, Pappelallee 15, Prenzlauer Berg, Tel.: 44 03 91 68, www.ballhausost.de

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