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Von Hendrik Lasch, Chemnitz
30.05.2012

Chemnitz soll vom Abstellgleis

VCD kontert Pläne der Bahn für Sachsen

Der Verkehrsclub Deutschland hat ein Konzept für den Fernverkehr auf der Schiene vorgelegt. Er will verhindern, dass Städte wie Chemnitz von der Bahn noch weiter abgehängt werden.

Einsteigen bitte zur Odyssee: Zugreisende, die von Chemnitz aus in die Republik fahren wollen, müssen viel Geduld mitbringen. Ob nach Berlin, Frankfurt am Main oder München - die Reise beginnt im Regionalzug und geht nicht ohne Umsteigen vonstatten. Als das ifo-Institut 2011 die Bahnanbindung von 80 deutschen Städten untersuchte, landete Chemnitz auf Rang 78. »Nur Trier und Cottbus«, so das Fazit der Autoren, »sind noch schlechter per Eisenbahn zu erreichen.«

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) will das ändern und nicht nur die Stadt in Südwestsachsen besser ans Gleis bringen, sondern auch andere Orte der Region. Dazu legte er jetzt ein eigenes Konzept für den Fernverkehr vor. Man wolle die Bahn so zu einer »Diskussion über die zukünftige Anbindung Mitteldeutschlands an den Fernverkehr bewegen«, erklärt der VCD-Landesverband Elbe-Saale.

Beim VCD schaut man mit Bangen dem Jahr 2017 entgegen. Dann soll die ICE-Trasse durch den Thüringer Wald fertig sein. Die Schnellverbindung von Berlin nach München führt dann über Halle und Erfurt statt über Leipzig. Pläne der Bahn sähen vor, Mitteldeutschland »nur noch mit wenigen Halten zu durchfahren«. Leipzig und weitere Städte drohten weiter vom Fernverkehr abgeschnitten zu werden: Der Chemnitz-Effekt lässt grüßen.

Chemnitz soll IC erhalten

Das VCD-Konzept, das bisher nur in Details bekannt ist, setzt indes auf einen zweistündigen Wechsel bei der ICE-Anbindung von Halle und Leipzig. Auch auf Verbindungen wie der von Chemnitz nach Berlin und auf der »Sachsen-Franken-Magistrale« von Dresden über Chemnitz und Zwickau nach Nürnberg sollen in Zukunft Intercitys verkehren - statt der bisher eingesetzten Nahverkehrsbahnen.

Das Echo bei der Deutschen Bahn AG dürfte nicht überschwänglich ausfallen. Der Bahnkonzern versucht derzeit vielmehr, weitere Verbindungen aus dem Fernverkehr abzustoßen und an die Länder zu delegieren. Ein Beispiel ist die Sachsen-Franken-Magistrale. Hier lässt die DB alle zwei Stunden einen Zug rollen, dazwischen fährt einer, für den die Länder selbst bezahlen, weil sie an einem Einstundentakt interessiert sind. Ende 2011 ließ die Bahn aber durchblicken, dass sie die »selbstfinanzierte« Verbindung per Interregio-Express nur bis Dezember 2013 zu betreiben gedenke und nun von den Ländern ein »für alle Beteiligten tragfähiges Angebot« erwarte.

Welle der Empörung

Die Politik in Bayern und Sachsen reagierte erbost. Man werde es »nicht akzeptieren«, dass die Bahn alle Kosten für die Fernverbindung von Nürnberg nach Dresden den Ländern aufbürde, sagte Verkehrs-Staatssekretärin Katja Hessel aus Bayern. Als Bahnchef Rüdiger Grube die DB-Forderung im April bekräftigte, gab es erneut eine Welle der Empörung. Sachsens SPD-Fraktion forderte, der CDU-Ministerpräsident und sein FDP-Wirtschaftsminister müssten »den Sachsen-Franken-Express retten«. Der LINKE-Verkehrspolitiker Enrico Stange geißelte die Ausrichtung der Bahn »ausschließlich auf Profit«, was bei zu geringen Fahrgastzahlen zur Preisgabe von Strecken nötige. Zugleich sollten die Länder aber nicht mehr darauf bestehen, bei der Ausschreibung der Magistrale auf Neigetechnikzügen zu bestehen. Die besitzt nur die DB.

Der VCD hofft, das dank seines Konzepts nun konstruktiver über den Bahnverkehr in der Region debattiert wird. Bisher, sagt Sprecher Clemens Kahrs, sei das nicht möglich: Die Bahn behandle ihre Pläne und Vorhaben leider noch »wie Staatsgeheimnisse«.

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