Tilman Rotherberg 30.05.2012 / Bewegung

Weltrevolution für den Gaumen

Guy Debords Briefe lesen sich wie ein revolutionäres Logbuch der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts

Bisher wurden Debords Schriften als Sentenzenreservoir für Ausstellungskataloge ausgeschlachtet. Die nun veröffentlichten Briefe rücken ihn endlich in ein dezidiert politisches Licht.

Anfang 2009 überraschten die französischen Kulturbehörden mit einem wahrhaft spektakulären Coup, der sicherlich als einer der späten Höhepunkte der Resozialisierung früherer Staatsfeinde in die anständige Gesellschaft gelten kann: Als sich die Witwe Guy Debords, Theoretiker des linksradikalen Flügels des Pariser Mai 68, anschickte, den Nachlass des lebenslangen Unruhestifters an die Yale Universität zu verkaufen, erklärte man sein Werk kurzerhand zum »nationalen Kulturschatz« und versagte den Manuskripten so den Flug über den Atlantik. Diese posthume Überführung in den Schoß der Nation musste sich der französische Staat jedoch einiges Kosten lassen: Rund drei Millionen Euro flossen in die Taschen von Alice Debord; eine angemessene Kompensation für einen Autor, der sein Werk mit der Hoffnung verfasste, »der spektakulären Gesellschaft zu schaden«.

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