Von Fabian Lambeck
30.05.2012

Parteien laufen die Mitglieder davon

Union, SPD, FDP und LINKE verlieren - nur Grüne und Piraten legen zu

Die am Dienstag veröffentlichte Studie des Berliner Parteienforschers Oskar Niedermayer belegt den massiven Mitgliederschwund bei den großen Parteien. Lediglich Grüne und Piraten konnten ein Plus verbuchen.

Die Ära der beiden großen Volksparteien nähert sich ihrem Ende. Dies belegen auch die Zahlen, die sich in einer aktuellen Studie des Parteienforschers Oskar Niedermayer wiederfinden. Der Berliner Politik-Soziologe hatte die Mitgliederentwicklung aller Bundestagsparteien im Jahre 2011 untersucht. Demnach verlor allein die CDU mehr als drei Prozent ihrer Mitglieder, bei der Schwesterpartei CSU waren es 2,1 Prozent. Ende April besaßen noch 484 397 Bundesbürger ein CDU-Parteibuch. Somit verfügte Merkels Partei über lediglich 15 Mitglieder mehr als die SPD, die »nur« 2,5 Prozent einbüßte. Deshalb dürften die Sozialdemokraten demnächst an der CDU vorbei ziehen.

Aber Grund zum Jubeln haben die Genossen nicht. Zwar überholt man den ärgsten politischen Konkurrenten, doch das geschieht nicht, weil die SPD so stark ist, sondern weil die Union noch mehr schwächelt. Den beiden selbst ernannten Volksparteien laufen die Mitglieder in Scharen davon. Besonders deutlich wird dies im Langzeitvergleich: So verfügte die SPD im Jahre 1990 über mehr als 910 000 Mitglieder. Im Laufe von 22 Jahren verlor die einstige Arbeiterpartei also eine halbe Million Genossen. Auch bei der CDU sieht es nicht besser aus. Im Jahr des DDR-Beitritts zahlten 706 000 Bundesbürger ihre Mitgliedsbeiträge in die CDU-Parteikasse. Heute sind es 212 000 weniger. Die Zahlen Niedermayers zeigen auch, dass die Verluste zum Großteil auf förmliche Austritte zurückgehen. Die Todesfälle machen je nach Partei nur 0,2 bis 1,9 Prozent aus.

Die Krise trifft aber auch die kleineren Parteien. Laut Niedermayer verbuchte die FDP im vergangenen Jahr ein Minus von 7,9 Prozent und kommt nur noch auf rund 63 000 Mitglieder. In einigen Landesverbänden sollen im letzten Jahr sogar mehr als 10 Prozent aller Mitglieder ihren Austritt erklärt haben. Der LINKEN gelang es auch im Bereich Mitgliederakquise nicht, die Krise der anderen für sich zu nutzen. Im Gegenteil: Die Partei verlor 5,7 Prozent und fiel damit unter die Marke von 70 000. Noch im Jahre 2008 - kurz nach dem Zusammenschlusses von WASG und PDS - zählte man beinahe 76 000 Genossen. Die Ursachen des Rückgangs sind auch im Karl-Liebknecht-Haus bekannt: Da ist zum einen die Überalterung der Landesverbände im Osten und zum anderen die »Entsorgung« von Karteileichen im Westen. Ein weiteres Alarmsignal: Die Mitglieder der LINKEN weisen mit 60 Jahren das höchste Durchschnittsalter aller Parteien auf. Bei den zweitplatzierten CDU und SPD sind es jeweils 59 Jahre.

Gegen den Trend zulegen konnten nur Grüne und Piraten. Wohl auch Dank des »Fukushima-Effekts« kamen die Grünen auf einen Zuwachs von 11,5 Prozent und haben nun mehr als 59 000 Mitglieder. Somit dürften sie die FDP demnächst auf dem Mitgliederranking überholen. Auch die Piraten legten kräftig zu. Mehr als 30 000 Bundesbürger heuerten bislang bei den Freibeutern an.

Während die Politik um eine Frauenquote für die Wirtschaft streitet, belegt die Studie Niedermayers, dass auch die Parteien eine solche nötig hätten. So liegt der Frauenanteil bei der CDU bei 25,6 Prozent, bei der FDP 23 und der CSU nur 19,3 Prozent.

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