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Von Grit Gernhardt
30.05.2012

Fette Beute mit Hunger

Nichtregierungsorganisationen ziehen düstere Bilanz der Ära Ackermann

Ob AKW-Finanzierung, Rüstungsexporte oder Nahrungsmittelspekulationen - überall ist die Deutsche Bank ganz vorn mit dabei. Nichtregierungsorganisationen forderten am Dienstag in Berlin eine radikale Wende.

Ackermann geht - eine neue Ära beginnt? Das hoffen zumindest die fünf Organisationen, die sich zusammengeschlossen haben, um den am Donnerstag anstehenden Führungswechsel bei der Deutschen Bank wachsam zu begleiten. Das Bündnis »Andere Banken braucht das Land« vereint mit Foodwatch, Urgewald, Facing Finance, dem Dachverband der Kritischen Aktionäre und der Kampagne »Ohne Rüstung leben« die geballte Kritik am Geschäftsgebaren des größten deutschen Bankhauses und seines langjährigen Vorsitzenden. Josef Ackermann hinterlasse das Institut ohne ernsthaftes Bekenntnis zur Nachhaltigkeit und ohne wenigstens minimale Geschäftsstandards, dafür aber als einen weltweiten Vorreiter bei der Finanzierung von Atomenergie und Kohlekraftwerken, sagte Barbara Happe von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald.

»Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen«, hatte Ackermann stets gesagt, wurde Kritik an ihn herangetragen. So auch bei den Nahrungsmittelspekulationen: Nachdem die Verbraucherorganisation Foodwatch 2011 die Studie »Die Hungermacher« veröffentlicht hatte, zeigte sich Ackermann einsichtig. Bis heute aber hat sich das Institut nicht vollständig aus dem Geschäft mit Agrarfonds zurückgezogen, mit denen auf Nahrungsmittelpreise gewettet werden kann. Mit katastrophalen Folgen, wie Matthias Wolfschmidt von Foodwatch erklärte: In Schwarzafrika würden bereits heute 80 Prozent des Einkommens für Nahrung ausgegeben, noch höhere Preise seien nicht verkraftbar.

Auch das Geschäft mit der Rüstung läuft prächtig, wie Thomas Küchenmeister von Facing Finance sagte. Derzeit sei die Bank trotz mehrerer Ausstiegsversprechen mit über 400 Millionen Euro an Firmen beteiligt, die Streumunition herstellen. Die Folgen dieser »monströsen Waffe« erfuhr Branislav Kapetanovic am eigenen Leib; seitdem kämpft der schwerbehinderte ehemalige Minenräumer der serbischen Armee für deren Ächtung. »Setzen Sie ein Zeichen der Menschlichkeit - gegen Streumunition!«, will Kapetanovic Ackermann auf der Hauptversammlung auffordern.

Und auch beim Export anderer Kriegswaffen sucht man Menschlichkeit vergebens: So stützte die Bank laut Küchenmeister die Lieferung von Leopard-2-A7+-Kampfpanzern nach Saudi-Arabien mit 2,3 Milliarden Euro und steht in Geschäftsbeziehung zu 13 Atomwaffenherstellern.

Zehn Jahre Ackermann hinterließen viel verbrannte Erde, sagte Happe. Das Bündnis fordert einen grundlegenden Umbau der Bank. Statt Klimakiller und Waffenschmiede Nr. 1 zu sein, könne sie es so dereinst zu einem positiven Meistertitel für Mensch und Natur bringen.

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