31.05.2012

»Verantwortung übernehmen«

Dora Heyenn über ihre Kandidatur

Hamburgs Linksfraktionschefin DORA HEYENN kandidiert am kommenden Wochenende beim LINKE-Parteitag in Göttingen als Parteivorsitzende. Über ihre Kandidatur und die Personaldebatte in der Linkspartei sprach mit ihr für »nd« SUSANN WITT-STAHL.
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Dora Heyenn ist eine von bis jetzt elf Kandidaten für den Parteivorsitz.

nd: Was war der entscheidende Auslöser für Ihre Kandidatur?
Heyenn: Dass so viele Wähler zur SPD gehen und so viele LINKE, die in der SPD waren, wieder zurückgehen oder sich ganz zurückziehen – das ist für mich ein Alarmsignal. Ich setze mich für den kulturellen Zusammenhalt der Partei ein. Ich habe das Gefühl, ich muss jetzt Verantwortung übernehmen, und habe keine Ausrede mehr, es nicht zu tun.

Sie knüpfen Ihre Kandidatur an keine Bedingungen und sagen, Sie könnten mit jedem arbeiten. Aber da gibt es doch sicher Genossen, mit denen Sie mehr und welche, mit denen sie weniger könnten?
Ich habe keine Vorlieben. Wenn man für den Bundesvorstand kandidiert, muss man mit jeder und jedem, die oder der gewählt wird, arbeiten und sich nicht von Sympathien und Antipathien leiten lassen. Sonst ist eine Partei nicht zu managen.

Bei den Reformern werden Sie als Wunschhälfte eines Doppels mit Dietmar Bartsch gehandelt.
Ich trete ausdrücklich als unabhängige Kandidatin an. Ich möchte, dass echte Wahlen stattfinden und nicht ein Beschluss vorgeschaltet wird, der nur eine weibliche Doppelspitze zulässt. Ich mag diese Ausschließeritis nicht.

Sehen Sie sich eher als Ergänzung oder als Gegenpol zu den Reformern im Osten?
Ich werde als Pragmatikerin bezeichnet. Einige meinen das nett, wie das Hamburger Abendblatt; andere meinen das böse, wie einige Genossen meiner Partei. Zielgerichtetes Handeln – dafür stehe ich. Ich möchte nicht, dass nur Forderungen in die Welt gepustet werden. Ich möchte auch einmal welche umsetzen.

Ist der Rückzug von Oskar Lafontaine ein Verlust oder eine Chance?
Ich glaube, er ist momentan ein bisschen bockig. Dass er nur antreten wollte, wenn ein anderer zurücktritt, der seine Kandidatur schon vor Monaten bekannt gegeben hat, ist in einer demokratischen Partei daneben. Das hat für viel Unmut gesorgt. Er ist ja weiter für die LINKE da – nicht nur im Saarland. Ich denke, wenn sich alles beruhigt hat, wird er überlegen, ob er nicht doch auf Platz eins für den Bundestag kandidiert.

Sie fordern einen Neuanfang. Wie soll der aussehen?
Gesine Lötzsch und Klaus Ernst mussten in Riesenfußstapfen treten. Sie konnten nur den Kürzeren ziehen. Es muss aufhören, dass die Leute, die die Arbeit machen, ständig von der Basis angegriffen werden. Und der Bundesvorstand muss verstärkt in die Länder, in die Kreise und nicht nur in die Talkshows und Pressekonferenzen in Berlin gehen.

Wenn er nicht mehr Kommunikation nach innen betreibt, dann kann die LINKE sich begraben lassen.

Diether Dehm warnt Sie davor, Dietmar Bartschs »Geschäft zu betreiben« und fordert Sie auf, sich das noch einmal zu überlegen. Tun Sie das?
Mit Sicherheit nicht – schon gar nicht nach solchen Drohungen. Mein Name lautet Heyenn und nicht Bartsch.

Fragen: Susann Witt-Stahl

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