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02.06.2012

Kandidaten für den Vorsitz

Wer sind die Kandidaten, die sich beim Parteitag der LINKEN in Göttingen zur Wahl für den Parteivorsitz und die Bundesgeschäftsführung stellen. Ein Überblick.

Dietmar Bartsch (Vizefraktionsvorsitzender im Bundestag)

Der 54-Jährige hat mit seiner Kandidatur einen Teil der Partei in zornige Wallungen versetzt. Diesem gilt er als rotes Tuch – als Vertreter des Realoflügels und als vermeintlicher Intimfeind Oskar Lafontaines. Dass dieser nicht mehr antritt, weil Bartsch bei seiner Kandidatur bleibt, bestärkt die Abneigungen noch. Dass sein Hut bereits seit November im Ring liegt, gilt nicht als mildernder Umstand.

Dora Heyenn (Fraktionsvorsitzende in Hamburg)

Die Lehrerin für Biologie und Chemie beschäftigt sich nicht nur mit der Formung von Persönlichkeiten, sondern auch mit der von Keramik. Bei Bartsch werden ihr beide Fähigkeiten nur bedingt helfen, auch wenn sie den Reformern als dessen ideale Verstärkung gilt. Ihr Abschneiden auf der ersten, der Frauenliste dürfte mithin schon viel über die Chancen Bartschs verraten.


Katja Kipping (Vizeparteivorsitzende)

Die 34-Jährige engagierte sich schon in der PDS, ist anerkannte Sozialpolitikerin und bürstet mit ihren emanzipatorischen Anschauungen häufig, aber sanft gegen den Strich. Sie will mit Katharina Schwabedissen eine weibliche Doppelspitze bilden und verspricht gemeinsam mit dieser einen neuen politischen Stil. Weil sie mit einem Kleinkind nur »Teilzeit-Vorsitzende« wäre, zögerte sie lange mit ihrer Kandidatur.


Bernd Riexinger (Landesvorsitzender in Baden-Württemberg)

Der 56-jährige Gewerkschafter verkündete am Mittwoch seine Kandidatur, nachdem entsprechende Pläne im Lafontaine-Lager bereits Verbreitung gefunden hatten. Er kandidiert mit der Unterstützung von Parteichef Klaus Ernst, doch ohne eine Einigung mit Katja Kipping, als deren Pendant in einer Doppelspitze er angekündigt wurde. Als klare Kampfansage an Bartsch müsste er auch direkt gegen ihn antreten.


Katharina Schwabedissen (Landesvorsitzende in NRW)

Pastorentochter und Linksradikale – nach Rücksprache mit ihren beiden Söhnen trat sie mit Katja Kipping zur weiblichen Doppelspitzenoffensive an. Im Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen hatte sie sich zuvor auch bundesweit Aufmerksamkeit verdient, was allerdings eine Niederlage ihrer Partei in der Landtagswahl nicht verhinderte. Sie hat eine gemeinsame Spitze mit Dietmar Bartsch als Option bereits ausgeschlossen.


Sabine Zimmermann (Bundestagsabgeordnete)

Mit ihrer Kandidatur zu einem Zeitpunkt, als die meisten anderen noch zögerten, sorgte sie zunächst für öffentliches Interesse. Die Arbeitsmarktpolitikerin betont, über den Flügeln zu stehen, hatte aber einen Unterstützeraufruf für Lafontaine und gegen Bartsch unterschrieben. Auch in den Planungen von dessen Gegenseite spielt sie keine erkennbare Rolle. Schwer vorstellbar, an wessen Seite sie gewählt werden könnte.

Weitere Kandidaten

Zu den bundespolitisch unbekannteren Kandidaten zählen bisher vier Männer. Ein Blick in die Bewerbungsschreiben (soweit vorhanden):


Bernd Horn (Nordrhein-Westfalen)

Das Vorstandsmitglied der LAG Senioren aus dem westfälischen Herten spricht für eine Überwindung des Lagerdenkens und glaubt nicht an den bürgerlichen Parlamentarismus auf dem Weg zum Sozialismus.

Jürgen Stange (Rheinland-Pfalz)

Kommunalpolitiker in Ochtendung unweit von Koblenz, der »1979 als amtierender Karnevalsprinz (Jürgen II.) mit Richard von Weizsäcker in Westberlin bis heute wirkende Karnevalsgeschichte geschrieben« hat.


Ralph Alfred Böttcher (Berlin) – ohne Angaben


Werner Klein (Schleswig-Holstein) – ohne Angaben

Bundesgeschäftsführer

Als einziger Kandidat für den Posten, der bisher in Doppelfunktion wahrgenommen wurde, hat bisher Matthias Höhn sein Interesse angemeldet. Er ist Landesvorsitzender in Sachsen-Anhalt. Dietmar Bartsch, der bereits Jahre als Bundesgeschäftsführer gewirkt hat, zuletzt in der LINKEN von 2007 und 2010, hat Stellungnahmen zu einer eigenen Kandidatur im Falle des Scheiterns seiner Pläne als Parteichef bisher strikt abgelehnt.

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