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Von Karoline Kallweit
05.06.2012

Hollas Liebling

Holunder wird gegen Rheuma, Gicht und Hautkrankheiten verwendet

Noch bis in den Juli hinein zeigt der Holunder seine kleinen weißen Blüten und verbreitet angenehmen Duft. Die Pflanze zeichnet sich durch einen hohen Vitamingehalt aus und wird gegen allerlei Krankheiten eingesetzt.

Er wächst auf Waldlichtungen, an Wegesrändern oder auch in Gärten und ist in der Landschaft so selbstverständlich, dass man ihn kaum wahrnimmt. Vielen Gartenfreunden ist er jedoch ein Dorn im Auge, da er anderen Pflanzen schnell das kostbare Sonnenlicht raubt. Dennoch sollte man Holunder nicht leichtfertig als Unkraut abtun - schließlich gilt er als der gesündeste aller wild wachsenden Büsche. Vor allem in Sachen Vitamin C kann man ihm nur schwer Konkurrenz machen. Doch das ist nur einer der Gründe, wieso sich Holunder seit einigen Jahren wieder wachsender Beliebtheit erfreut.

Schon seit vielen Jahrtausenden wird der Doldenblütler von den Menschen als Heilmittel genutzt. Das belegen archäologische Funde. In der germanischen Mythologie gilt der Holunder als der Lieblingsbaum der Göttin Holla. Dem Glauben zufolge beschützt sie das Leben von Tieren und Pflanzen und heilt Krankheiten. Opfer zu Hollas Ehren wurden daher stets unter Holunderbüschen dargebracht. Der bekannte griechische Mediziner Hippokrates bezeichnete den Busch einst als »Universalapotheke« und verschrieb ihn unter anderem als Abführmittel. Aktuelle Studien bestätigen die Heilkraft des Holunders. Nebenwirkungen sind keine bekannt.

In der Volksmedizin wird Holunder vielseitig verwendet: Weil er die Flüssigkeitsausscheidung fördert, wurde er bei Rheuma, Gicht und Hautkrankheiten oder als »Blutreinigungsmittel« eingesetzt. Auch eine schleimlösende sowie schweißtreibende Wirkung sagt man ihm nach. Allerdings konnten Wissenschaftler bisher keinen Holunderbestandteil feststellen, der uns tatsächlich zum Schwitzen bringt.

Holunder stärkt das Immunsystem. Sein hoher Vitamin-A- und Vitamin-C-Gehalt unterstützt die Bildung von Immunzellen, so dass Krankheitskeime effektiver abgewehrt werden können.

Obwohl früher fast alle Teile genutzt wurden, kommen heute vor allem die aromatisch süß riechenden Blüten des Holunders zum Einsatz. Sie werden am besten bereits zu Beginn ihrer Blütezeit im Juni gepflückt. An sonnigen Tagen sind sie besonders wohlschmeckend. Allseits beliebt ist Holunderblütentee. Um eine Tasse zuzubereiten, übergießt man zwei Teelöffel Holunderblüten mit kochendem Wasser und lässt den Aufguss etwa fünf Minuten ziehen. Ein solcher Tee eignet sich hervorragend zur Vorbeugung von Erkältungskrankheiten. Deshalb: mehrmals täglich so heiß wie möglich trinken!

Aber Holunder eignet sich nicht nur, um daraus Tee herzustellen. Seine dunklen Beeren lassen sich prima zu Saft, Gelee oder Konfitüre verarbeiten. Sie werden süß oder pikant genossen, zum Beispiel als Soße zum Wild. In Norddeutschland ist heiße Holunderbeerensuppe mit Äpfeln und Grießklößchen sehr beliebt. Die Früchte sind reich an Vitaminen, ätherischen Ölen sowie Gerb- und Mineralstoffen. Sie schmecken herb-süß bis säuerlich. Doch Achtung! Die Beeren sollten erst geerntet werden, wenn alle in der Dolde befindlichen schwarz sind. Denn die Früchte enthalten einen Stoff namens Sambunigrin, der giftige Blausäure abspaltet. Er kann Übelkeit, Brechreiz und Verdauungsstörungen hervorrufen. Auch Blätter und Rinde des Holunders enthalten Sambunigrin in hoher Konzentration. Vollreife Beeren sind jedoch fast frei von dem gefährlichen Stoff und deswegen auch in rohem Zustand unbedenklich. Sicherheitshalber sollte man sie dennoch kochen. Das Erhitzen zerstört letzte Giftstoffe.

Bei der Holunderbeerenernte gibt es einiges zu beachten. So sollte man die Dolden mit einer Schere oder einem Messer abschneiden. Wer schlau ist, trägt dabei Gummihandschuhe. Denn der Saft der dunklen Beeren färbt stark. Nicht umsonst nutzten ihn die alten Römer zur Tönung ihrer Haare. Außerdem sollte man darauf achten, dass man keine Holunderbeeren an Straßenrändern oder anderen Orten erntet, wo sie vielen Abgasen ausgesetzt sind.

Nach dem Pflücken gilt es, die Früchte so schnell wie möglich zu verarbeiten. Andernfalls verderben sie rasch.

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