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08.06.2012

Das Spiel beginnt

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Ahne

In den kommenden vier Wochen werden sechs nd-Kolumnisten wechselnd am Ball sein - der ihnen unberechenbar (Achtung, verqueres poetisches Bild!) vom Fuß ihrer Handschrift springen möge. »Anstoßpunkt« heißt unsere Rubrik. Wir nehmen also Anstoß, woran auch immer. Fußball im Feuilleton? Und das täglich? Abstriche demnach am würzig-krustigen Brot des Kulturjournalismus, der Rezension? Nein! Große Oper, schwere Tragödie, Klassiker-Neuauflagen, Schauspiel reinsten Wassers, Thriller. Hoffentlich.

Manche halten die Fußball-Europameisterschaft für ein Sportereignis mit unbekanntem Ausgang. Dabei stehen die Ergebnisse, um einen uralten TV-Sketch zu zitieren, längst fest. Hier nur einige: 1:0, 2:2, 3:1, 2:0, 0:0, 2:1. Mehr soll nicht verraten werden. Aber es ist doch klar, wohin der Ball ab heute rollt: »Nur Obacht jetzt! Denn vor den Toren sammelt sich ein ruppig ungeduldig Volk!« Shakespeare. Der verstand was von Fußball, auch wenn in seinen Dramen statt der Bälle Köpfe rollten.

Aber just das Drama ist es, das uns in den nächsten Wochen lockt. Zwischendurch schauen wir in die Gesichter der EM-Abgekehrten, der Spiel-Gleichgültigen, der Rausch-Abstinenten und spüren für Momente jenes Erhabene, das uns also doch noch nicht verloren ging: Mitleid - mit diesen Leuten. Unser eigener Zweck freilich ist ein anderer: Mit-leiden, mit-fiebern; ja, in größte Mit-Leidenschaft wollen wir gezogen werden. Unwichtig, wie gut die EM ist, wichtig nur, ob sich gut darüber schreiben lässt. Je weiter abseits, desto erlaubter. Jede Medaille hat eine Kehrseite, der Ball hat viele Kehrseiten. Die schönsten Seiten! Wie einzig die gemischten Gefühle die echten Gefühle sind.

Wie gesagt: Sehr viel der nächsten vier Wochen ist absehbar (4:0, 1:1, 3:0), aber nicht das Spielchen, das wir mit dieser Europameisterschaft treiben wollen. Deren Teilnehmer wir alle sind. Wieso? Melde sich, wer in dieser heutigen Welt noch keinen Schuss hat. hds

Am Anstoßpunkt ...

AHNE (44) erhielt leider noch keine Preise, doch halt, einen Holzpapagei, aber er weiß nicht mehr, wofür. Einen Platz in den Annalen der Weltliteratur hat er aber sicher, das verriet ihm jemand, der sich auskennt. Zuletzt erschienen: »Gedichte, die ich mal aufgeschrieben habe« und »Zwiegespräche mit Gott - Unser täglich Brot« (beide Voland & Quist), im Sommer erscheint »Wieder kein Roman. Kurzgeschichten und Strichzeichnungen«. Mitglied der Lesebühne »Reformbühne Heim & Welt« (sonntags 20.15 Uhr im Berliner Kaffee Burger) und Erfolgsfan des BFC Dynamo.

ANDREAS GLÄSER (47), in Berlin geboren, elf Minuten von dort, wo er heute wohnt. Früher Bauarbeiter, zwischendurch Poet bei der »Chaussee der Enthusiasten«, heute Betreuer für Demenzkranke. Er veröffentlichte 2002 seine erste Geschichtensammlung, »Der BFC war schuld am Mauerbau« (Aufbau Verlag), und 2010 seinen ersten Roman, »Bambule Berlin« (Verlag Jeske/Mader). Andreas Gläser favorisiert in der Oberliga den BFC Dynamo und bei der jetzigen Europameisterschaft die DFB-Recken.

MARTIN HATZIUS (36), nd-Feuilleton. Fordert ein Sitzplatzverbot in Fußballstadien (auch auf dem Rasen). Findet, dass jedes Spiel mit einem Elfmeterschießen beginnen sollte. Plädiert für eine Entlohnung der Profis in Drachmen. Hält Mertesacker und Wiese für osteuropäische Platzverhältnisse, Lahm für eine Geschwindigkeit und Poldi für den schönsten Jungdrachen der Welt. Hofft, dass der ruhmreiche 1. FC Union Berlin endlich Europameister wird.

ANDREAS KÖTTER (36). Misst 1,85 m. Ist absoluter Linksfuß. Seine Position: Abseits, passiv. Er schaffte es, sich im Ostberlin der 80er Jahre durch Sympathien mit Dynamo Dresden zu isolieren. Besuchte das Maracanã-Stadion in Rio des Janeiro, als dort Baustelle - und in Berlin Weltmeisterschaft war. Wählte nun, alserste unmittelbare Beteiligung an einem großen Turnier, die sich irgendwo zwischen Nordkorea, Kuba und Iran befindliche Ukraine. Auf ewig im Rücken des Gegners.

JOCHEN SCHMIDT (41), Schriftsteller, Übersetzer. Studierte Romanistik, Informatik, Neuere deutsche Literatur und - auf zahlreichen Reisen - die Sprachen der Welt. Gewann 1999 den Literaturpreis Open Mike und gründete die Lesebühne »Chaussee der Enthusiasten« mit. Veröffentlichte Romane, Erzählbände (u.a. »Meine wichtigsten Körperfunktionen«, »Weltall. Erde. Mensch«), den Lektüre-Blog »Schmidt liest Proust« und, mit der Illustratorin Line Hoven, die FAZ-Serien »Dudenbrooks« und »Schmythologien«. Fußball-Kolumnist seit der WM 2002 in Japan und Südkorea.

HANS-DIETER SCHÜTT (63), nd-Feuilleton. Gab ein Buch über Toni Schumacher heraus. Freut sich, dass der Fußball klüger ist als die Politik - nur dort schießen die Linksaußen wie besessen Eigentore. Lieblingsliteratur: »Die Angst des Tormanns beim Elfmeter« - gesammelte Fußballreportagen von Peter Handke. Hält den Satz, der Beste möge gewinnen, für eine ethische Schlaftablette. Unsere müssen gewinnen! Und das sind die Münchner Bayern, die jetzt mit acht Mann im Nationaltrikot gegen Europa spielen - und so großzügig sind, sogar einige Dortmunder mittraben zu lassen.
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Martin Hatzius
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Andreas Kötter
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Jochen Schmidt
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Hans-Dieter Schütt

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