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Von Tom Mustroph
09.06.2012

Realität made in Hollywood

In den Sophiensaelen wird der »Borderline-Journalismus« unter die Lupe genommen

So schnell geht es, und die 90er Jahre sind schon historisch. Archäologische Arbeiten in diesen Sedimentschichten unternimmt daher die experimentelle Puppenspiel- und Objekttheatertruppe »Lovefuckers« in den Sophiensaelen. Bei der Produktion »Fixen - Ballade von der medialen Abhängigkeit« haben sie prima Instrumente im Gepäck: eine zottlige David Letterman-Puppe etwa, einen Pamela Anderson-Aufsteller aus dem »Bay Watch«-Merchandise, vor allem aber die Maschine Polylux, die dem anarchischen Talent zum Projizieren und Übermalen von ansonsten ziemlich toten Dingen erst die richtige Ausdrucksmöglichkeit verschafft.

Leider hat sich das junge Ensemble - in den 90er Jahren selbst noch den Bildungsexperimenten an Grundschulen ausgesetzt - eine doch recht blasse Figur ins Zentrum ihrer Erkundungsreise gestellt. Die Geschichte ähnelt verblüffend der Biografie des Borderline-Journalisten Tom Kummer, dem Anfang der 90er Jahre sogar Berlin zu langweilig wurde - ein guter Punkt übrigens - und der dann aus Los Angeles dem deutschen Zeitungsmarkt Interviews mit Prominenten aus Hollywood andrehte. Er entwickelte dabei die Kunst, aus nur punktueller Begegnung mit den vermeintlich Interviewten gewaltige, kulturphilosophisch unterfütterte Dialoge zu kreieren. Als die schmale Begegnungsbasis bekannt wurde, gab es natürlich einen Skandal. Das Ideal des Journalismus - die penible Vor-Ort-Recherche - war mit dieser Produktionsweise nicht in Einklang zu bringen.

Durch die Konzentration auf den Hollywood-Beobachter - im Stück wegen Streitigkeiten um Persönlichkeitsrechte (was in diesem Falle ein ganz feine Volte ist!) Tom A. Pollow genannt - reduziert sich das Spiel leider hauptsächlich auf echte wie erfundene Begegnungen mit Prominenten. Gut, die traurige Phil Collins-Fratze (seine Musik habe weder Seele noch Klassenbewusstsein, lautet ein Vorwurf), die grämliche Sean Penn-Stoffpuppe (sie knabbert noch an der Madonna-Scheidung) und auch das glänzende PVC-Abbild von Dennis »the menace« Rodman (einst der böse Bube im US-Basketball) sorgen für wohlig- postsentimentales Gekicher. Die deutschen Redaktionen sind als geifernde Auftraggeber in Szene gesetzt. Aber nicht einmal das von Kummer selbst später theoretisierte Weltverarbeitungsprogramm zwischen Fiktion, Semifiktion und Fiktionalität des Realen findet ausreichend Platz.

Das ist schade. Von dem Anspruch, die 90er Jahre und die damals zu einer ersten großen Blüte gelangende Interdependenz von medialer Darstellung und realen Ereignissen aufbereiten zu wollen, bleibt erst recht wenig übrig. Dabei hätte allein Los Angeles, damaliger Aufenthaltsort des Protagonisten, einiges an Realitäts- und Realitätsverarbeitungsschichten liefern können. Erinnert seien an die Rodney-King-Riots, die in Echtzeit übertragene Verfolgungsfahrt des unter Mordverdacht stehenden früheren Baseballstars OJ Simpson und die Transformation der - immerhin - auf Bewusstseinserweiterung abhebenden LSD-Drogenszene zu aggressiven Crystal-Meth-Meuten. Der möglichen Verknüpfungen hätte es also viele gegeben.

Nur in spärlichem Ausmaß folgte Regisseur Nils Zapfe dieser Spur. Die wenigen Episoden jedoch zeigten das Potenzial des Abends auf. Brillant etwa, wie an einem auf Pappkartons projizierten Fernseher der Irakkrieg á la CNN auf die Bühne gebracht wurde. Gekonnt auch eine Straßenszene in L.A., in der das Fernsehteam den schrecklichen Mord begeht, von dem es dann zur Prime Time berichtet. Auch hier wird wild gezeichnet (der famose John Fleisch) und auf echte Körper projiziert. »Fixen« bleibt zwar hinter der erhofften Komplexität zurück. Es ist aber dennoch ein vergnüglicher Abend von einer Truppe mit ganz eigenen Mitteln.

Sophiensaele, 10.6., 20 Uhr

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