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12.06.2012

In Los Cabos steht ein Neuanfang aus

Fast alle reden von Rio+20 und fast keiner von Los Cabos. Dabei ist das Treffen der Staats- und Regierungschefs der G20 am 18. und 19. Juni in Mexiko das Forum, indem potenziell über eine grundlegende Reform des globalen Wirtschafts- und Finanzsystems entschieden wird. Dass es in Los Cabos dazu kommt, ist freilich nicht zu erwarten. Zwar werden globale wirtschaftliche Fragen einschließlich der europäischen Schuldenkrise auf der Agenda stehen, doch von Einigkeit ist unter den 20 mächtigsten Industrie- und Schwellenländern aus Nord und Süd wenig zu sehen.

Beim unter dem Eindruck der Folgen der Pleite von Lehman Brothers stehenden Londoner Gipfel im April 2009 wurde noch vollmundig das Prinzip ausgegeben »Kein Markt, kein Produkt, kein Akteur ohne Aufsicht«. Daraus ist nichts geworden. Außer unkoordinierten kosmetischen Regulierungen in den Einzelstaaten hat sich nichts getan. Der Mahner sind viele, die in der Finanzwirtschaft schon wieder riesige neue Blasen sehen, die über kurz oder lang erneut platzen werden. Ihren Ursprung haben sie vor allem in den Weltwirtschaftszentren USA, EU und Japan, die immer noch 70 Prozent der Weltwirtschaftsleistung stellen, aber allesamt seit Jahren mit niedrigen Wachstumsraten vor sich hin dümpeln oder wie Südeuropa sich gar in einer Abwärtsspirale befinden. Ob die europäische Schuldenkrise oder die globale Finanzmarktregulierung - es gibt nur kooperative Lösungen oder keine. Das ist den G20-Staatschefs zwar durchaus bewusst, zu einem konzertierten Handeln konnten sie sich bisher allerdings noch nicht durchringen.

In Los Cabos wird es Zeit, die aus dem Ruder gelaufenen Märkte zu reregulieren. Wenn das Primat der Politik nicht endlich wieder durchgesetzt wird, kann man sich politische Konferenzen wie Rio+20 ohnehin sparen. Nachhaltig ist dann nur die Krise.

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