Von Wolfgang Jung, dpa
13.06.2012

Matchwinner statt Maskottchen

Stürmer Andrej Schewtschenko schießt den Co-Gastgeber Ukraine zum 2:1-Auftaktsieg gegen Schweden

Oleg Blochin drückte seinen Matchwinner Andrej Schewtschenko fest an sich und wollte ihn gar nicht mehr loslassen. Während ringsum im Olympiastadion von Kiew alles in einem Freudentaumel in Gelb und Blau versank, lagen sich die beiden ukrainischen Fußballikonen eine Minute lang still in den Armen. Der 59-jährige Trainer wusste, bei wem er sich für die gelungene EM-Premiere seines Landes zu bedanken hatte. »Ich habe geträumt, dass Andrej heute zwei Tore schießt«, sagte Blochin nach dem 2:1 (0:0)-Auftaktsieg gegen Schweden, für den der 35-jährige Schewtschenko mit einem Kopfball-Doppelpack im Alleingang gesorgt hatte.

Die Fans huldigten dem »König von Kiew« bei seiner Auswechslung zehn Minuten vor Schluss mit Standing Ovations und begeisterten »Schewa, Schewa«-Rufen. Dabei hatte es vor Wochen noch ernsthafte Zweifel gegeben, ob der durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfene Stürmerstar von Dynamo Kiew überhaupt den Sprung ins EM-Aufgebot schaffen würde. Der Oldie sei nur das »dritte Maskottchen neben Slavek und Slavko«, hatten Kritiker hämisch angemerkt. Doch dann schlug der Rekordtorschütze der Ukraine (48 Treffer) innerhalb von sechs Minuten (55./61.) eiskalt zu.

»Das ist ein großartiger Sieg. Ich fühle mich fantastisch. Ich fühle mich wie 20«, bekannte Schewtschenko, für den mit einem Schlag alle Schmerzen vergessen waren. An die Adresse der Nörgler gewandt fügte er hinzu: »Ich werde mich erst an den Kritikern gerächt haben, wenn wir weitergekommen sind.« Mit drei Punkten haben sich die Ukrainer jedenfalls einen kleinen Vorteil gegenüber den Konkurrenten Frankreich und England verschafft. Dennoch sei noch nichts erreicht. »Es ist ein historischer Sieg, aber wir haben noch zwei extrem schwere Spiele vor uns. Es ist jetzt nicht die Zeit für Euphorie«, mahnte er.

Mit 35 Jahren und 256 Tagen ist Schewtschenko nun zweitältester Torschütze der EM-Geschichte nach dem Österreicher Ivica Vastic, der 2008 noch drei Jahre älter war, als er gegen Polen traf. Fast eine Stunde lang hatte sich aber auch »Schewa« immer wieder in der Deckung der Schweden festgelaufen. Andrej Woronin und Anatoli Timoschtschuk fanden vor 64 290 Zuschauern ebenfalls lange Zeit keine Mittel. Doch nach dem Führungstor der Schweden durch Zlatan Ibrahimovic (52.) schlug Europas Fußballer des Jahres 2004 zu - mit zwei präzisen Kopfbällen drehte er das Spiel.

Für Timoschtschuk war der Erfolg auch ein Produkt der Einheit im Team: »Wir wollten den Sieg unbedingt. Wir haben gewonnen, weil wir eine Familie sind. Da standen nicht nur elf Spieler auf dem Platz. Unsere Bank, die Verbandsmitarbeiter und das ganze Stadion waren bei uns.«

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Ukraine: Pjatow - Gussew, Michalik, Chatscheridi, Selin - Jarmolenko, Timoschtschuk, Konopljanka (90.+3 Devic) - Nasarenko - Woronin (85. Rotan), Schewtschenko (81. Milewski).

Schweden: Isaksson - Lustig, Mellberg, Granqvist, M. Olsson - Elm, Källström - Larsson (68. Wilhelmsson), Ibrahimovic, Toivonen (62. Svensson) - Rosenberg (71. Elmander).
Tore: 0:1 Ibrahimovic (52.), 1:1 und 2:1 Schewtschenko (55., 61.). Schiedsrichter: Cakir (Türkei). Zuschauer: 64 219 (ausverkauft).

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