Von René Heilig
13.06.2012

»Falke« am Boden zerstört

US-Aufklärungsdrohne abgestürzt, deutsches Rüstungsprojekt auf Höhenflug

Ein Flugroboter vom Typ »Global Hawk« der US-Navy ist zu Wochenbeginn bei einem Testflug im US-Bundesstaat Maryland abgestürzt. Die Bundeswehr wird in Kürze solche - bis auf die Sensorik baugleichen - Drohnen namens »Euro Hawk« einsetzen.

Die »Global Hawk« war am Montag auf einem Übungsflug. Der »Falke« stürzte um 12.11 Uhr (Ortszeit) in einen Sumpf unweit der Ortschaft Salisbury. Es gab keine Verletzten, kaum Sachschäden, erklärte eine Sprecherin gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN.

Am Rande der jüngsten NATO-Tagung Ende Mai hatte das US-Rüstungsunternehmen Northrop Grumman einen Auftrag für ein neues System zur Bodenüberwachung (Alliance Ground Surveillance, AGS) erhalten. Unter dem Codebegriff »Smart Defence« (kluge Verteidigung) will man die Kräfte mehrerer Staaten bündeln. Das System besteht zunächst aus fünf Drohnen des Typs »Global Hawk«, Block 40. Das Auftragsvolumen liegt bei 1,7 Milliarden Dollar. Ursprünglich sollte der deutsche Beitrag bei 400 Millionen Euro liegen, nun kommt man auf rund 483 Millionen Euro. Die Bodenstationen für das Projekt werden von europäischen Firmen entwickelt und produziert.

Der Absturz über Maryland dürfte aber auch aus anderen Gründen die deutsche Diskussion über den Einsatz von Drohnen im normalen Luftverkehr - außerhalb militärischer Sperrgebiete und außerhalb militärischer Einsätze - befeuern. Die deutsche Luftwaffe wird fünf baugleiche Karbon-Aufklärungsdrohnen einsetzen. Kostenpunkt: 1,2 Milliarden Euro. Derzeit wird die erste in Manching von »Cassidian«, der Rüstungssparte des größten europäischen Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern, mit deutscher Sensorik und Spionagetechnik bestückt.

Im Sommer wird die Maschine, deren Spannweite mit 40 Metern größer ist als die einer Boeing 737, an das Aufklärungsgeschwader 51 »Immelmann« in Jagel in Schleswig-Holstein übergeben. Aus einer Höhe von 20 000 Metern kann der ferngesteuerte Flugroboter 30 Stunden am Stück Funksprüche samt Handygesprächen aufzeichnen und Radarsignaturen auffangen. Die so gesammelten Daten werden nahezu in Echtzeit im niedersächsischen Nienburg ausgewertet. Dafür ist das Bataillon Elektronische Kampfführung 912 verantwortlich.

Nach Schätzung der US-amerikanischen Teal Group werden sich in den kommenden zehn Jahren weltweit die Ausgaben für militärische Drohnen von derzeit 6,6 Milliarden US-Dollar auf 11,4 Milliarden verdoppeln. Auch im zivilen Bereich prognostizieren die Experten einen Auftragsboom für unbemannte Fluggeräte. Bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA 2012 werden die Geräte erstmals einen eigenen Ausstellungsbereich erhalten. Die USA stellen ihre Kampfdrohne »Predator« vor, die demnächst auch von der Bundeswehr geflogen wird. Dazu kommen deutsche Typen die in Afghanistan eingesetzt sind. Auch der »Euro Hawk« bekommt einen Standplatz.