15.06.2012

Fehlende Perspektiven

Kommentar von Olaf Standke

Die hiesige Afghanistan-Politik schien in diesen Tagen auf Dirk Niebels fliegenden Teppich zu passen. Dass die Beträge - und Versäumnisse - um einiges größer sind, zeigt auch die aktuelle internationale Konferenz in Kabul. Präsident Hamid Karsai hat gestern die enge Zusammenarbeit seines Landes mit den Nachbarstaaten beschworen, werde doch erst die Kooperation in Zentral- und Südasien und mit weiteren Verbündeten zu Stabilität, Frieden und wirtschaftlichem Fortschritt führen. Eine Art KSZE am Hindukusch also.

Als auf dem NATO-Gipfel in Chicago unlängst über die Zukunft Afghanistans debattiert wurde, ging es vor allem um einen möglichst gesichtswahrenden Ausstieg aus dem verheerenden Kriegseinsatz der Allianz, um die logistischen Schwierigkeiten beim Abzug eines Großteils der Kampftruppen und den Streit, wer wie viel der jährlich mehr als vier Milliarden Dollar aufbringen soll, um die Armee und Polizei der Regierung Karsai künftig zu sponsern. Die Frage der nachhaltigen sozialökonomischen wie zivilgesellschaftlichen Entwicklung eines Afghanistans ohne Taliban-Herrschaft war und ist für den Nordatlantik-Pakt noch immer kein Thema, obwohl das größte Militärbündnis der Welt als weltpolitische »Ordnungsmacht« doch so viel mehr sein will. Wenn der Sicherheitsbegriff aber bei Truppenstärken, Rüstungsgütern und Ausbildungszeiten endet, werden auch die Lebensperspektiven der leidgeprüften afghanischen Zivilbevölkerung schrumpfen.

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