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Von Thomas Nowag, SID
22.06.2012

Kämpfer gegen den Münzwurf

Karl Wald erfand vor 42 Jahren das Elfmeterschießen, das nun bei der EM immer droht

Der Deutsche Karl Wald hat 1970 das Elfmeterschießen erfunden. England und die Niederlande quält er damit bis heute.

Der Mann, der das Fußballdrama auf den Punkt brachte, liegt in Penzberg begraben. Alte Weiden säumen die kleine Allee, die auf dem Friedhof zur Urnenhalle führt, und hinter einer Hecke steht man plötzlich vor dem unscheinbaren Stein: Dort ist das Grab von Karl Wald, dem Erfinder des Elfmeterschießens. 2011 starb er im Alter von 95 Jahren.

In England, das ist einer der ersten Gedanken, wäre Wald wohl Staatsfeind Nummer eins. Dramen hätte sich das Mutterland des Fußballs im halben Dutzend ersparen können, wäre der Schiedsrichter und gelernte Friseur, geboren am 17. Februar 1916 in Penzberg, Oberbayern, nicht 54 Jahre später vom »Geistesblitz« getroffen worden: Der »Krimi vom Punkt« (Wald), oder, wie in den Statuten der FIFA später stand, »Schüsse von der Strafstoßmarke zur Siegerermittlung« - eine Idee, die den Fußball veränderte.

Karl Wald, der seine letzten Jahre in einem Altenheim lebte, hat die Eingebung sportliche Unsterblichkeit verliehen. Häufig dachte er auch im gesetzten Alter verärgert an die Zeiten zurück, in denen es am Ende einer Verlängerung kein sportliches Entscheidungskriterium mehr gab. »Siege per Münzwurf, das waren keine Siege, das war gar nichts! Dermaßen ungerecht war das! Es konnte so nicht weitergehen«, erzählte er.

Doch wie das so ist mit revolutionären Neuerungen: Im verkrusteten Schiedsrichterwesen stieß der Vorschlag erst mal auf taube Ohren. Wald, der während des Krieges im Pariser Prinzenparkstadion Fußballspiele des Militärs geleitet hatte, testete seine Idee heimlich bei Oster- oder Schulturnieren. Und plötzlich waren Münzwürfe und Wiederholungsspiele vergessen - Hunderte schlugen sich fast um die besten Plätze am Strafraum.

Nun mussten nur noch die Granden des Weltfußballs überzeugt werden. Wald setzte auf eine Revolution von unten und präsentierte seinen Vorschlag am 30. Mai 1970 beim 12. Schiedsrichter-Verbandstag des Bayerischen Fußball-Verbandes in München. Die »neumodische Idee« passte dem eher konservativen Präsidenten Hans Huber überhaupt nicht in den Kram, doch Karl Wald konnte stur sein: »Herr Präsident, ich habe Ihnen heute einige Stunden sehr diszipliniert zugehört. Ich bitte Sie daher, mir fünf Minuten ebenfalls zuzuhören!« Es folgte ein flammender Appell für Gerechtigkeit und gegen die unbefriedigende Regentschaft des Zufalls - und Hans Huber gab nach.

Das Elfmeterschießen trat seinen Siegeszug an, ließ die Deutschen jubeln, aber Niederländer und Engländer verzweifeln. 1976 nahm auch der Weltverband die Erfindung Walds ins Regelwerk auf. Zum 90. Geburtstag gratulierte ihm FIFA-Präsident Joseph S. Blatter sogar höchstpersönlich.

Das Elfmeterschießen bescherte dem Fußball eine ganz neue Dimension von Dramatik, zuletzt war dies wieder im finale der Champions League zwischen Bayern München und dem FC Chelsea zu erleben. Kaum auszudenken, Schiedsrichter Pedro Proenca hätte nach 120 Minuten seine Münze über den Sieger entscheiden lassen, und nicht nur über die Wahl des Tores, auf das geschossen wird.

Doch natürlich machte sich Wald nicht nur Freunde. »Das ist, als würde ein großer Krieg nicht mit einem geistigen Kräftemessen am Konferenztisch beendet, sondern mit einer Partie russischem Roulette zwischen ausgewählten Gefreiten«, sagte Oscar-Preisträger Sir Peter Ustinov einmal. Inzwischen aber bezweifelt niemand mehr den Sinn der Strafstoßlotterie. Außer Bastian Schweinsteiger vielleicht. Stuart Pearce. Chris Waddle und Uli Hoeneß.

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