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22.06.2012

Wowereits Dämmerung

Standpunkt von Martin Kröger

Normalerweise hätte es ein guter Tag für Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sein können. Schließlich wurde mit den Vorarbeiten für das Stadtschloss im Herzen der Stadt gestern ein 590-Millionen-Euro-Projekt begonnen, das, so Wowereit selbst, »die Geschichte und Gegenwart« zusammenführen werde. Doch normal geht es derzeit eher selten zu beim nach Kurt Beck am längsten amtierenden Länderchef in Deutschland. Stattdessen jagt eine Krise die nächste.

Politisch am schwersten wiegt sicherlich das Flughafen-Desaster: Sollte tatsächlich noch einmal eine Verschiebung des Eröffnungstermins für den Hauptstadtflughafen in Schönefeld nötig werden, dürfte es für Wowereit, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist, politisch eng werden. Die Frage nach der politischen Verantwortlichkeit wird sich auch nach der für heute anberaumten Aufsichtsratssitzung zum Flughafen stellen. Immer mehr Firmen mahnen Schadensersatz an, fordern riesige Millionenbeträge. Dabei sind die finanziellen Reserven zum Flughafen, die eingeplant waren, bereits fast aufgebraucht.

»Viel Vergnügen, es gab schon viele Versuche, mich zu dämmern«, hatte sich Klaus Wowereit vor kurzem auf einem SPD-Parteitag noch kämpferisch gegeben. Aber angesichts des Flughafen-Desasters, der S-Bahn-Teilprivatisierung, die die eigene Partei spaltet, sowie des krassen Absturzes in den Meinungsumfragen dämmert es langsam wirklich.

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