Marcus Meier
24.06.2012

Der Kunde wird`s schon richten...

Umweltfreundlichere Computer durch aufgeklärten Konsum?

Anstelle des Staates soll der Kunde den Computermarkt ergrünen lassen. Doch über entsprechende Informationen verfügt der nicht.
Über die öko-sozialen Schattenseiten der globalen Computerei habe ich an dieser Stelle bereits des Öfteren geschrieben: Über die enorme Energieverschwendung in und drohende Rohstoffengpässe dank der Herstellung all der schönen, gleichwohl kurzlebigen Rechner. Über den Einsatz giftiger Chemikalien. Die üblen Arbeitsbedingungen. Die Selbstmorde als verzweifelter Protest dagegen (1). Die »markenchauvinistische Kleinstaaterei« (Thomas Pigor) und daraus resultierende Inkompatibilitäten (2). Schließlich: Die geplante Obsoleszenz. Den moralische Verschleiß. Die für Hersteller und Händler profitable Kurzlebigkeit all der Notebooks und Desktoprechner (3).

Nun gibt es durchaus Versuche, die Gerätschaften des IT-Zeitalters ein klein wenig grüner zu machen. Zum Beispiel durch das Umweltsiegel »Blauer Engel«. Im Zentrum des »Blauen Engels« steht der Energieverbrauch bei der Nutzung - effiziente Rechner verbrauchen 50 bis 75 Prozent weniger als der Durchschnitt. Auch die Langlebigkeit der Computer, die (Un-)Giftigkeit der eingesetzten Materialien sollen eine Rolle spielen.

Aber wieder einmal soll also der Konsument richten, was das Gros der Hersteller und auch der Staat (der ja Giftstoffe verbieten, den Energieverbrauch regulieren könnte, zum Beispiel durch den Top-Runner-Ansatz) unterlassen: Einen Markt für grünere Geräte schaffen, indem er eben diese Produkte kauft. Aber kann der Konsument das auch?

Wirklich gut informiert wird er nicht: Derzeit ist kein einziger Computer mit dem »Blauen Engel« zertifiziert, weil die Kriterien ein Stück weit verschärft wurden. Nach all den alten Kriterien waren es 42, heißt es beim Umweltbundesamt. Welchen Marktanteil diese 42 Modelle ausmachten, überblickt selbst die Behörde nicht, wie sie auf Nachfrage einräumt.

Anträge auf Vergabe des »Blauen Engels »werden binnen drei oder vier, mitunter fünf Monaten bearbeitet. Zu lange für die kurzlebige Branche, wie ein Kenner sagt: »Das steht im Widerspruch zur Kurzlebigkeit der Produkte und den immer schneller werdenden Produktzyklen«.

Die Webseite »EcoTopTen« des Öko-Instituts listet (anders als bei Waschmaschinen oder Autos) nicht die zehn umweltfreundlichsten Computer auf. Man verzichtet wegen der »Schnelllebigkeit des Marktes« auf konkrete Produktempfehlungen und gibt lieber abstrakte Ratschläge: zum Beispiel keine zu leistungsfähigen und damit stromfressenden Computer zu kaufen.

Dabei ist die Hälfte des Umweltschadens, den ein Rechner erzeugt, schon angefallen, bevor ihn der Endkunde ihn zum ersten Mal einschaltet: bei der Rohstoffbeschaffung, bei der Herstellung und beim Transport. »All das zu berücksichtigen, würde allerdings einen wahnsinnigen Aufwand bedeuten«, sagt ein Experte hinter vorgehaltener Hand – und verweist auf die globalen Wertschöpfungsketten.

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